Berlin : Tanz die Banane

Eine Million Raver sollen die Loveparade wiederbeleben, hofft der neue Chef

Lars von Törne

Auf dem Sweatshirt von Dr. Motte steht „No Risk No Fun“. Das ist wohl wieder so ein dialektischer Scherz des 45-jährigen Erfinders der Loveparade. Denn zwei Jahre lang war nichts mit Fun, weil der Umzug wegen des zu großen finanziellen Risikos ausfiel. Dieses Jahr trägt das Risiko ein anderer, und Dr. Motte verstrahlt erstmals wieder so etwas wie Freude.

Als Retter hat sich dem DJ-Veteran Matthias Roeingh, wie Dr. Motte wirklich heißt, ein kahl geschorener Geschäftsmann aus dem Süddeutschen angeschlossen, der sich vor allem mit einer Sache auskennt, für die die alte Paraden-Crew kein Händchen hatte: Geld. 63 Millionen Euro Jahresumsatz macht Sportstudio-Chef Rainer Schaller (37) nach eigener Aussage mit seiner McFit-Kette. Mindestens eine Million davon will der neue Geschäftsführer der Loveparade GmbH dieses Jahr in die Organisation des Tanzumzuges stecken, am 15. Juli soll die Jugend der Welt im Tiergarten feiern.

„Die Loveparade ist eine Herzensangelegenheit“, sagte Schaller gestern bei der ersten öffentlichen Präsentation seines Konzepts. Als naiver Techno-Romantiker will er aber nicht missverstanden werden: „Wir versprechen uns Synergien davon“, sagt er und spricht von der geplanten Europa-Ausweitung seines bislang aus 56 Filialen bestehenden Konzerns. Dabei sollen der international bekannte Name Loveparade und die Bilder tanzender Halbnackter aus Berlin helfen.

Trotz der Millionenspritze fehlt noch mehr als die Hälfte der kalkulierten Paradenkosten von bis zu 2,5 Millionen Euro, sagt Schaller. Sollte die Suche nach weiteren Geldgebern für die Parade mit 30 bis 40 Wagen ähnlich schleppend verlaufen wie in den vergangenen Jahren, würde Schaller seinen Anteil notfalls erhöhen. „Wir tragen als Hauptsponsor dafür Sorge, dass die Loveparade auf jeden Fall stattfindet.“ Im Gegenzug will er sein Unternehmen auf den Wagen präsentieren, die den Discjockeys und Clubs in diesem Jahr gratis zur Verfügung gestellt werden. So könnte die grinsende Comic-Banane, mit der McFit wirbt, zum neuen Symbol der Loveparade werden.

An die erhoffte Teilnehmerzahl haben der Gründer und der neue Chef noch unterschiedliche Erwartungen. Während Dr. Motte sagt, er wäre schon mit einem Besucher zufrieden, peilt Schaller eine Million an, wie einst Ende der 90er Jahre. Neben den Wagen, von denen DJs elektronische Tanzmusik spielen, soll es auch wieder eine traditionelle Rede von Dr. Motte geben. Einen Vorgeschmack gab er gestern mit ein paar Versen, in denen junge Leute sich „im ewigen Moment tanzend wiederfinden“ und „Kontakt mit ihren Vorfahren aufnehmen, die schon im gleichen Rhythmus tanzten“.

Klarere, aber auch unfreundlichere Worte fand Dr. Motte für jene Musikveranstalter, die nach dem zwischenzeitlichen Aus der Loveparade die Lücke mit einer „B-Parade“ füllen wollten, jetzt aber wegen des älteren Anspruchs der Loveparade das Nachsehen haben. „Querulanten“ und „Energiezerstörer“ seien das, schimpfte Roeingh und zeigte, wie eng die Grenzen seiner oft propagierten Liebesfähigkeit sind.

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