Berlin : Tanzen gegen Kälte: Vier Bälle vertreiben den Winterschlaf

Esther Kogelboom

Noch sind ein paar Stunden Zeit zur Vorbereitung: Friseurtermin machen, Solarium buchen, Kleid ändern lassen. Denn wenn die Ballsaison am Sonnabend einem weiteren Höhepunkt entgegenstrebt, will das Haar onduliert, die Gesichtsfarbe frisch und die Garderobe perfekt sein. Der Europäische Presse- und Funkball, besser bekannt als Berliner Presseball, steht dieses Jahr unter dem Motto "Deutsche und Polen - Freunde und Partner in Europa". Im ICC wird sich also alles um Polen und die polnische Hauptstadt Warschau drehen.

Staatspräsident Aleksander Kwasniewski und Stadtpräsident Pawel Piskorski werden schon heute in der Stadt erwartet. Kwasniewski wird im Hotel Steigenberger die 140 Quadratmeter große Präsidenten-Suite beziehen. In dem Hotel am Los-Angeles-Platz gilt für die Zeit des hohen Besuchs Sicherheitsstufe Eins. Auch das "Kater-Frühstück" am nächsten Mittag wird in dem Hotel stattfinden. Der Wohltätigkeits-Ball wird traditionell vom Berliner Journalisten-Verband veranstaltet und findet bereits zum 102. Mal statt. Seit zwölf Jahren steht der Ball ganz im Zeichen Europas.

Für den musikalischen Rahmen hat der Berliner Journalistenverband den berühmten polnischen Komponisten und Dirigenten Krystof Penderecki engagiert, der zur Eröffnung des Gala-Tanzvergnügens mit seinem Orchester, der Sinfonia Varsovia, auftreten wird. Der Musiker, dem seine eher ernsten Kompositionen zu Weltruhm verhalfen, wird erstmals einen Wiener Walzer dirigieren. Danach gibt es im ICC ein Kontrastprogramm - Udo Lindenberg und Jennifer Rush.

Höhepunkt wird wie jedes Jahr die große Tombola sein. Sponsoren und Gönner haben wieder tief in die Tasche gegriffen und Preise wie zum Beispiel einen "Smart", ein Fassadenelement der Info-Box, Investmentfonds und eine Flugreise für zwei Personen zum Startplatz der europäischen Trägerrakete Ariane nach Kourou in Französisch-Guyana gespendet. Der vielleicht ungewöhnlichste Gewinn ist eine Alpenüberquerung im Heißluftballon mit Anreise im Geländewagen. Natürlich wird auch wieder jede Menge Prominenz antanzen - auf der Gästeliste stehen unter anderem die gesamte Schauspieler-Belegschaft der RTL-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", Dariusz Michalczewski, Hans von Borsody, Hans-Jürgen Bäumler und Rudolf Mooshammer mit seinem Pinscher "Daisy".

Zeitgleich muss sich die Gesellschaft für ein ganz neues Ballerlebnis präparieren - den ersten Zarenball. Der 13. Januar ist nämlich nicht nur Tag des Presseballs, sondern auch der Tag des russischen Neujahrsfestes. Veranstaltet wird der Ball, der zum neuen Highlight der Saison werden will, von Alexander Kozulin, die Schirmherrschaft hat die russische Ehefrau von Alexander von Bismarck - Irina von Bismarck übernommen. Im Hotel Intercontinental soll die Atmosphäre des russischen Hofes vor 200 Jahren wieder zum Leben erweckt werden. Im eigens eingerichteten Spielcasino soll getreu dem Motto "Gambling for charity" Geld für kunstbegabte, aber minderbemittelte Kinder und Jugendliche gesammelt werden. Im nächsten Jahr sollen die jungen Leute dann ihr Talent unter Beweis stellen.

Ebenfalls ein neuer Stern am Berliner Ball-Himmel: Der Alpenball. Im ausreichenden Sicherheitsabstand zum Hochgebirge werden die Alpen-Fans am 20. Januar im Hotel Steigenberger feiern. Laut Veranstalter, natürlich der Alpenverein e.V., gehörte der Alpen-Ball im vorletzten Jahrhundert zu den großen gesellschaftlichen Anlässen der Stadt. Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges wurden vom Erlös Vereinshütten finanziert, dann schlief die Tradition ein. Jetzt soll die Veranstaltung wieder "ausgemottet" werden.

Wer Höhenluft nicht verträgt, ist sicher beim ADAC-Ball herzlich willkommen, der am gleichen Abend im Internationalen Congress Centrum gefeiert wird. Bereits zum zweiten Jahr in Folge findet das Tanzvergnügen der Automobil-Lobby nur noch an einem Tag statt. Der für seine besonders ausgelassene Stimmung bekannte Ball erfreut sich beim Stamm-Publikum aber nach wie vor großer Beliebtheit. Die Autofahrer verstehen es zu feiern, das sah man in den vergangenen Jahren an den vielen lächelnden Mienen - und an den stehen gelassenen Autos. Jennifer Rush war im letzten Jahr hier zu Gast. Es kam jedoch zu einem Zwischenfall mit dem ADAC-Chef Wolf Wegener. Er unterbrach die Sängerin und forderte alle tanzenden Gäste auf, sich sofort wieder hinzusetzen. Bei solchen Pannen können auch die Gelben Engel nicht helfen.

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