Tanzen und Gesundheit : Nach dem Check aufs Parkett

Sich zur Musik zu bewegen tut der Seele gut, sagt Sportärztin Eileen Wanke. Das schafft auch, wer körperliche Probleme hat. DennTanzen ist heilsam.

Foto: privat
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„Tanzen ist ein wunderbar vielseitiger Sport“, sagt die Berliner Sportmedizinerin und plastische Chirurgin Eileen Wanke. „Gesellschaftstänze bewegen den ganzen Körper und tun der Seele gut.“ Die 44-jährige Ärztin leitet die Abteilung Tanzmedizin des arbeitsmedizinischen Institutes der Charité. Sie betreut Profitänzer, beschäftigt sich in ihren wissenschaftlichen Arbeiten aber auch intensiv mit dem Thema Gesundheit und Freizeittanz.

DER GEWINN

Tanzen verbessert die Beweglichkeit, Dehnbarkeit, Kraft, Haltung und Ausdauer. Außerdem trainiert es die Wahrnehmungsfähigkeit: Man lernt, Balance zu halten, Bewegungen zu koordinieren, sich im Raum zurechtzufinden, flott zu reagieren. Und Tanzen ist auch Balsam für die Seele. Musik, Geselligkeit, die Freude an Bewegung verbinden sich zu einem positiven Lebensgefühl. „Das wirkt geradezu euphorisierend“, sagt Eileen Wanke. Studien zeigen, dass sich all diese Vorteile schon nach relativ kurzer Zeit einstellen, vorausgesetzt allerdings, man gönnt sich das Tanzvergnügen mindestens zweimal pro Woche 90 Minuten lang. Zusätzlich empfiehlt die Sportmedizinerin eine „wichtige Ergänzung“: Tänzer sollten auch eine Ausdauersportart wie Joggen, Gymnastik oder Nordic Walking betreiben.

DIE RISIKEN

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten verletzten sich beim Tanzen nur wenige. Anfänger sollten aber die Grenzen ihrer körperlichen Belastbarkeit kennen, bevor sie loslegen. Wer älter als 45 Jahre ist, sollte sich deshalb vor dem ersten Tanzkurs in einer sportmedizinischen Praxis durchchecken lassen. Aber selbst Herz- und Kreislaufprobleme, labile Gelenke oder Rückenschmerzen müssen kein Grund sein, den Tanzsport zu lassen. Im Gegenteil. Wenn solche Probleme mit dem Tanzlehrer besprochen werden und das Training behutsam angepasst wird, kann Tanzen auch heilen: Schwache Muskeln bauen sich auf, Gelenke werden stabilisiert, besonders Ballett und die Standard-Tänze wie Foxtrott oder Walzer sind eine gute Haltungsschulung. Selbst auf hohen Blutdruck oder neurologische Krankheiten wie Parkinson kann sich Tanzen positiv auswirken.

TANZ IM ALTER

Tanzen kann man in jedem Alter. „Es hält jung, beugt altersbedingten Risiken vor“, sagt Eileen Wanke. Wer sein Gefühl für Balance und das Reaktionstempo schult, läuft weniger Gefahr, zu stürzen. Vor allem den Tango Argentino empfiehlt sie Senioren in dieser Hinsicht. Denn er hat weniger feste, sich ständig wiederholende Bewegungsabläufe als die Standardtänze. Man erlebt beim Tango Argentino immer neue Situationen, muss spontan agieren und reagieren. Grundsätzlich gilt: Jeder muss seinen Lieblingstanz für sich entdecken.CS

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