Berlin : Tanzen und streiten

-

VON TAG ZU TAG

Elisabeth Binder über den

Bedeutungswandel des Berliner Presseballs

Es gab eine lange Reihe von Jahren, in denen der Berliner Presseball mit Abstand das wichtigste gesellschaftliche Ereignis der Stadt war. Wenn am Freitag, dem 13. Februar, im Ritz-Carlton der Ball eröffnet wird, wird sicher über die Tradition des Balls geredet. Schließlich wurde er nebenan im Esplanade vor 130 Jahren aus der Taufe gehoben.

Dass es sich nun wirklich nur noch um ein Event von ganz vielen handelt, das im allgemeinen Strudel sicher untergeht, wird bestimmt nicht erwähnt. Macht aber nichts. Viele Gäste werden nach dem zweiwöchigen Glamour-Marathon, der nach den Traditionen des neuen Berlin mit der Verleihung der Goldenen Kamera beginnt und mit der Cinema for Peace Gala noch lange nicht endet, die Reden sowieso verschlafen. Und die reichlich erwarteten Hollywood-Stars, die in ihrem glanzvollen Leben nur noch eine unerfüllte Sehnsucht kannten – einmal im Leben zum Berliner Presseball! – können ohnehin kein Deutsch. Applaudieren werden hingegen die viel zu vielen Reichen der Stadt. Es ist ja bekannt, dass sie furchtbar leiden, wenn sie nicht mindestens dreimal die Woche Eintrittskarten für 500 Euro erwerben können. Ihnen gegenüber verhalten sich die Veranstalter also vorbildlich sozial.

Das allerschönste am Berliner Presseball aber ist der verbandsinterne Knatsch darüber, ob so ein Ball überhaupt sinnvoll ist, diese gründliche Nabelschau im eigenen Sud. Westalgie pur. Herrlich!

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben