Berlin : Tanzen wie Präriegras

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Im Indianerkostüm hat Hartmut Felber Geschichte geschrieben. Als die gewendete SED noch regierte, tanzte er auf dem ersten und letzten Powwow-Fest in der DDR. Das war im Februar 1990, als in der Dorfturnhalle von Hohen Neuendorf, ein paar Kilometer nördlich von Berlin, die Premiere des indianischen Volksfestes stattfand. Viele Tanzbegeisterte habe es damals gegeben, aber kaum professionelle Anleitung, erinnert sich Felber. „Wir hatten ja noch nicht einmal Videos.“ Jetzt tritt er erstmals auf dem Karneval der Kulturen auf.

Am Sonntag geht es richtig los. Auf dem Truck werden dann Indianerbands trommeln und singen. Felber und befreundete Powwow-Aktivisten aus ganz Deutschland tanzen zu deren Rhythmen auf der Straße. Ihr Outfit entstand in monatelanger Näharbeit. Mit bunten Federn, aufwendigen Stickereien und detailreicher Körperbemalung treten die Tänzer auf – für jede Kategorie gibt es unterschiedliche Kostüme. „Die Sachen bei Spezialhändlern zu kaufen, würde mich finanziell ruinieren“, sagt Felber. Indianer zu sein, ist eben ein teures Hobby.

Ursprünglich wurde mit dem schamanischen Wort „Powwow“ ein Gipfeltreffen der Häuptlinge bezeichnet. Noch heute laufen die Feste nach starren Regeln ab, mitunter noch mit ganz offiziellen Handlungen. Dabei führt ein „Master of Ceremony“ durch die Veranstaltungen. Die haben mittlerweile auch außerhalb Nordamerikas Fuß gefasst: Eine indianische Powwow-Kultur ist in der ganzen Welt etabliert, auch in Deutschland. Während sich die Powwows in Nordamerika immer mehr zum Volksfest entwickelten, geht es hierzulande eher beschaulich ab.

Aber auch in Deutschland können Powwow-Tänzer mittlerweile alles aufführen, was die Tradition vorgibt. So hüpfen Frauen und Männer, Kinder und Erwachsene in getrennten Gruppen zum Takt der Trommeln, zudem mit unterschiedlichen Formationen. So ist der „Fancy Shawl Dance“ die hohe Tanzschule für Indianerfrauen, die mit einem langen Schal Schmetterlinge nachahmen und dabei „schweben". Bei den Männern gilt der „Grass Dance“ als schwierigste Kategorie. Mit einem Outfit, das fast nur aus Wollfransen besteht, müssen sie sich ähnlich dem Präriegras bewegen. Wie das aussehen soll, wird Felber am Sonntag zeigen.

Für die Zuschauer am Rande sei es spannend, einzelne Figuren herauszulesen. Die eigene Fangemeinde der Powwow-Tänzer habe darin ja Erfahrung, so Felber. Andere müssten schon Fantasie aufbringen bei den schnellen und fließenden Übergängen der Tanzbewegungen. Aber zum Erklären bleibt dann keine Zeit: Indianer tanzen gewöhnlich ohne Pause. Henning Kraudzun

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