Tanzshow im Admiralspalast : Willkommen in Berlins größtem Irish Pub

Jammen mit Obama, steppen mit Helene: Im Pub kann fast alles passieren – das versucht die Show „Irish Celtic“ auf die Bühne zu bringen.

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Theater im Pub. Oder umgekehrt. „Irish Celtic“ kombiniert irischen Tanz mit der Geschichte um ein 1000 Jahre altes Pub.
Theater im Pub. Oder umgekehrt. „Irish Celtic“ kombiniert irischen Tanz mit der Geschichte um ein 1000 Jahre altes Pub.Foto: promo

Helene Fischer hat gerade angerufen. Eine gewisse Aufregung kann sich selbst ein alter Profi wie Toby Gough nicht verkneifen. Auch in Irland weiß man um die Strahlkraft des deutschen Schlager-Superstars, auch wenn man nicht ganz versteht, wie es dazu kommen konnte. Ob die Tänzer und Musiker von „Irish Celtic“ in HFs Weihnachtsshow mitmachen wollten? Hektisch zücken alle ihre Smartphones, Kalenderabgleich, „Anthony“, ruft Kreativdirektor Gough, „können wir noch nach Berlin fliegen?“

Antony Davis nippt an seinem Guiness. Der musikalische Leiter und Bandleader hat eigentlich andere Pläne. Er nimmt noch einen großen Schluck. Wird schon irgendwie klappen, sagt er dann. Muss auch, denn ohne die Band geht bei „Irish Celtic“ gar nichts. Sie wollen sich abgrenzen von den vielen anderen Tanzshows von „Lord of the Dance“ bis „Riverdance“ – und das vor allem über die Band. Alles live, fünf Musiker, darunter auch Kieran Brady, der mit seiner Uilleann Pipe schon am St. Patrick’s Day für Barack Obama im Weißen Haus gespielt hat. „,Lord of the Dance’ hat diesen fetten Beat, ich persönlich mag das nicht“, sagt Davis. „Ich bin Traditionalist.“ Also Gitarre, Akkordeon, Flöte. Nur ein Schlagzeug lässt auch er vom Band mitlaufen, als eine Art Sicherheitsnetz, damit die Musiker nicht zu schnell werden für die Tänzer.

Mit Guinness und Rekorden scherzt man nicht in Irland

Ein Irish Pub mitten in Dublin, The Brazen Head, gegründet 1198, angeblich der älteste Pub Irlands, es gibt da mehrere Anwärter. Aber das hier, versichert der Besitzer etwas ungeduldig, steht im „Guinness Buch der Rekorde“! Und weder mit Guinness noch mit Rekorden ist in Irland zu scherzen. Die Band hat sich hier für einen kleinen Auftritt versammelt, wie es sie hier und in den anderen Pubs des Landes täglich gibt. So einen Pub versuchen Toby Gough und Anthony Davis auch auf die Bühne des Admiralspalasts zu bringen, wo „Irish Celtic“ bis Sonntag gastiert.

Davis hat die Musik geschrieben oder die traditionellen irischen Folk-Songs neu arrangiert, von „Whiskey in the Jar“ bis „Wild Rover“; Gough hat sich eine Geschichte von einem 1000 Jahre alten Pub ausgedacht, das der Besitzer an seinen Sohn weitergibt. Der muss jedoch erstmal die irische Geschichte und Traditionen lernen. Folglich wird viel Guinness und Jameson getrunken auf der Bühne, einiges davon auch im Publikum verteilt, die Zuschauer sollen sich wie im Pub fühlen.

Die Iren begehen alles im Pub - von der Taufe bis zum Tod

Deswegen wurde die Show noch nie in Irland aufgeführt, und dabei wird es wahrscheinlich bleiben. Warum sollten die Iren in ein Theater gehen, um sich wie in der Kneipe zu fühlen? Sie gehen lieber gleich in den Pub, zu jeder Gelegenheit von der Taufe bis zum Tod. „Der Pub ist das Zentrum unseres Lebens“, sagt Davis.

Trotz der Kälte bleiben an diesem Abend die Türen des Brazen Head offen, es passen einfach nicht alle hinein in den kleinen Raum, in dem Davis und seine Bandkollegen immer schneller spielen, immer mehr trinken. 16 Tänzer werden in Berlin auf der Bühne stehen, sich Kämpfe liefern zwischen traditionellem und modernerem Stepptanz. Diarmuid Meade, der den Sohn des Pub-Besitzers spielt, ist Weltmeister im Sean-nós, einer sehr alten Tanzform, seine Beine bewegen sich so locker, seine Füße so schnell, als hätten sie sich vom Rest des Körpers ausgeklinkt. Immer mehr Zuschauer drängen in den kleinen Raum, klatschen, stampfen, jubeln, singen alles mit, diese Lieder gehören zum irischen Kulturgut wie das Bier zum deutschen.

Überall auf der Welt gibt es Irish Pubs, allein in Berlin sind es 16, auch wenn sicher nicht alle den Authentizitätscheck der Kenner bestehen würden. In mehreren Steppschulen kann man auch irischen Tanz lernen. Und daran, da sind sich alle im Brazen Head einig, ist Michael Flatley Schuld. Erst „Riverdance“, dann „Lord of the Dance“, Michael Flatley hat den irischen Stepptanz abgestaubt, den Kilt weggelassen, die Arme aus den Hüften genommen, die Verbissenheit aus dem Blick. „Vor 20 Jahren war das so uncool“, sagt Anthony Davis, „heute ist Steppen sowas wie der neue Pop von Irland.“ Und all die Shows, die inzwischen um die Welt touren, ob mit oder ohne Michael Flatley im Namen, sind für den Nachwuchs Motivation und Arbeitsmarkt zugleich.

Es sollten nur Iren auf der Bühne stehen

Tanja Baird drückt ihre Zigarette aus und springt auf. Lange kann sie ohnehin nicht sitzen, sagt die junge Tänzerin. Alle sind in den Zwanzigern, auch die Musiker nicht wesentlich älter. Ja, sie rauchen und trinken gern, sagt Baird grinsend, auch wenn das sicher unvernünftig sei. „Aber was sollen wir machen, wir sind eben Iren?“ Der offizielle Teil ist vorbei, doch wenn die Pub-Routine erstmal läuft, wird weitergetanzt. Tanja Baird stemmt die Arme in die Hüfte ihres traditionellen Kleids und schon fliegen die Füße.

Eine Geschichte aber lässt sich nicht allein mit Füßen erzählen, sagt Toby Gough. Also suchte er einen Erzähler, ein Ire sollte es sein, wie alle anderen, aber trotzdem Deutsch sprechen. Weil er niemanden fand, hat sich Gough in zwei Wochen so viel Deutsch beigebracht, dass er nun selbst vortragen wird. Hat er auch schon in anderen Sprachen gemacht, sagt er, wird schon klappen.

Toby Gough wohnt inzwischen in Havanna, hat Shows mit Kubanern entwickelt, mit Brasilianern, mit Japanern. Er würde gern mal eine Show über Berlin machen, „vielleicht über die U-Bahn?“, sagt er. Oder über die Fußball-WM?

Mit Helene Fischer hat es dann übrigens noch geklappt. Anthony Davis und Kieran Brady haben gespielt, Diarmuid Meade und andere getanzt. Am Ende soll HF sogar mitgesteppt haben. Ob mit oder ohne Guinness, ist nicht überliefert.

Irish Celtic, 15.12. bis 20.12., Di-Fr. 20 Uhr, Sa 16+20 Uhr, So 16 Uhr, Admiralspalast, Friedrichstraße 101, Mitte. Karten ab 18 Euro unter: www.admiralspalast.de. Die Reise fand auf Einladung von bb promotion statt. Die Helene-Fischer-Show wird am 25.12., 20.15 Uhr, im ZDF ausgestrahlt.

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