Tarifabschluss an der Charité : Der Kampf geht weiter

Die Berliner Universitätsklinik verpflichtet sich zu mehr Personal, weil die eigenen Pflegekräfte dafür sogar streikten. Das ist mehr als ein Tarifabschluss - nämlich Bundespolitik. Ein Kommentar.

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Eine von vielen. Charité-Streikende im Sommer 2015 vor dem Gesundheitsministerium.
Eine von vielen. Charité-Streikende im Sommer 2015 vor dem Gesundheitsministerium.Jörg Carstensen / dpa

An der Charité ist Geschichte geschrieben worden – nein, keine Medizingeschichte, es wartet kein Nobelpreis. Aber, wenn es so läuft, wie viele in der Universitätsklinik erhoffen, steht das Gesundheitswesen nicht gleich vor einer Revolution, aber vor einer Tiefenreform.

Erstmals haben sich ein Klinikvorstand und eine Gewerkschaft auf feste Personalschlüssel geeinigt. Damit dürften Tausende Mitarbeiter einen besseren Arbeitsplatz bekommen, weil die Charité ihre dauergestressten Stammleute endlich mit neuen Fachkräften entlasten wird. Und schon jetzt debattieren bundesweit Schwestern und Pfleger, ob sie den Charité-Kollegen folgen sollen. Bei den oft auf Rentabilität getrimmten Privatkliniken, aber auch den gemeinnützigen und kommunalen Häusern könnten Schwestern und Pfleger nun sagen: Wir wollen das auch.

Was nun noch fehlt, ist das Geld – denn die Charité bezahlt das neue Personal, ohne dafür Mittel von den Krankenkassen zu bekommen. Die Kassen aber sind zuständig und sie müssten eigentlich auch wollen, dass ihre Versicherten von wachem statt übermüdetem Personal gepflegt werden. Insofern muss die Geschichte weitergeschrieben werden.

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