Tarifkonflikt : BVG-Streik: S-Bahn setzt mehr Züge ein – aber nicht überall

Vekehrschaos, Staus auf den Straßen, Schüler kommen zu spät zur Schule, Arbeitnehmer nicht pünktlich in den Betrieb. Der Warnstreik der BVG legt Freitagmorgen fast ganz Berlin lahm. S-Bahn und Polizei versuchen den Schaden in Grenzen zu halten.

K. Kurpjuweit,T. Buntrock

Bis zu 2,5 Millionen Fahrgäste müssen sich den ganzen Tag und morgen bis mindestens 15 Uhr neue Wege suchen. Denn seit Mitternacht streiken die Mitarbeiter der BVG. U- und Straßenbahn fahren gar nicht, Busse nur noch auf Linien, auf denen private Unternehmen im Auftrag der BVG unterwegs sind. Das sind 27 von 147 Linien: M32, 107, 115, 136, 161, 163, 168, 175, 184, 188, 204, 218, 248, 249, 263, 275, 283, 284, 294, 324, 327, 334, 371, 373, 390, 399, X83, 809, 893, 941, 943, 88, 733, 736, 620, 623, 629, 697, 638, 639, 671, und die Nachtlinien N26, N33, N34, N35, N39, N40, N47, N52, N53, N56, N60, N62, N64, N67, N68, N69, N79, N81, N84, N88, N90, N91, N95, N97, N23. Allerdings kann der Verkehr hier unregelmäßig sein. Auch das Call-Center der BVG wird bestreikt, so dass es dort keine Auskünfte gibt.

Die S-Bahn hat dafür ihr Angebot verstärkt. Es würden längere Züge eingesetzt und auf einigen Stecken auch zusätzliche Fahrten angeboten, kündigte S-Bahn-Geschäftsführer Tobias Heinemann gestern Abend an. Allerdings bleibt es auf der Ringbahn bei Zügen mit nur sechs Wagen, weil die S-Bahn nicht alle Bahnhöfe mit Kameras für die Abfertigung durch den Fahrer ausgestattet hat. Zum Fußballspiel von Hertha BSC am Sonnabend im Olympiastadion will die S-Bahn ebenfalls mehr Züge fahren lassen. Im Auftrag von Hertha gibt es zudem einen Sonderverkehr mit Bussen vom Parkplatz an der Harbigstraße am Messegelände zum Stadion.

Auf den Straßen wird während des Streiks mit Staus gerechnet. Polizei und die Verkehrslenkung wollen hier flexibel reagieren. Auch Ampelschaltungen sollten dem Bedarf entsprechend angepasst werden, hieß es bei der Verkehrslenkung. Weil der Streik aber erst am Abend angekündigt worden war, sei kaum Zeit geblieben, sich vorzubereiten. Obwohl kaum ein Bus unterwegs sein wird, dürfen die Busspuren rechtlich nicht von Autos benutzt werden. Die Polizei könne aber einzelne Abschnitte bei Bedarf freigeben, hieß es. Mit Einschränkungen muss vor allem auf der Stadtautobahn im Bereich des gesperrten Flughafentunnels in Reinickendorf sowie im Bereich des Britzer Tunnels gerechnet werden. Dort werden bei zu dichtem Verkehr die Zufahrten zur Autobahn gesperrt. Zum Flughafen Tegel gibt es einen Sonderverkehr mit Bussen, den der Senat bestellt hat (siehe unten). Auch die Fähren der BVG sollen ablegen.

Zuletzt hatten Mitarbeiter der BVG im Mai 2005 einen siebenstündigen Warnstreik ausgerufen. Während damals viele Schüler zu spät kamen – Busse und Bahnen standen von 3 Uhr bis 10 Uhr still – erreichten die meisten Arbeitnehmer pünktlich ihre Firma. Die S-Bahn zählte 50 Prozent mehr Fahrgäste, auch die Zahl der Taxifahrten stieg merklich. Zuvor hatte es im Mai 2000 einen zweieinhalbstündigen Warnstreik gegeben. Im September 1995 legten 6000 BVG-Beschäftigte spontan für gut sechs Stunden Arbeit nieder. Hintergrund war unter anderem der angekündigte Abbau von 4700 Arbeitsplätzen. Zuletzt hatten mehrere Streiks der Gewerkschaft der Deutschen Lokomotivführer (GDL) tageweise den Verkehr bei der Bahn und der S-Bahn lahmgelegt. 39 Stunden am Stück hat aber auch die GDL nicht gestreikt.

Auskünfte zum Nahverkehr unter den Telefonnummern 297 4 33 33 (S-Bahn) und

25 41 41 41 (Verkehrsverbund VBB) sowie im Internet unter www.s-bahn-berlin.de

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