Tarifkonflikt : Es wird nur eine Atempause geben

Die Berliner atmen erst einmal auf: ab Montag fahren wieder Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen. Doch aufgepasst: so reibungslos wie vorher wird der Transport nicht gehen. Verdi will es spannend halten.

Torsten Hilscher[ddp]

BerlinNach dem knapp zweiwöchigen Streik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) rollen die Verkehrsmittel wieder an. Nach BVG-Angaben sollen die U-Bahnen im Zehn-Minuten-Takt fahren. Bei der Straßenbahn wird auf den sogenannten Metro-Linien ein regulärer Betrieb angestrebt, auf allen anderen Strecken ein 20-Minuten-Takt. Die Busse sollen wieder nach Fahrplan verkehren.

Wegen des andauernden Streiks in Werkstätten, Teilen der Leitstellen und der Verwaltung sei man aber noch "meilenweit" vom Normalbetrieb entfernt, sagte BVG-Vorstandschef Andreas Sturmowski. Ebenfalls weiter bestreikt werden unter anderem die Fahrgast-Informationen und alle BVG-Verkaufsstellen.

Details zum Betrieb von U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen sind nur im Internet unter www.bvg.de sowie im Callcenter unter der Telefonnummer 19 44 9 zu erfahren. Dort kann es nach Angaben eines BVG-Sprechers allerdings wegen einer Notbesetzung zu längeren Wartezeiten kommen. Die anderen Informationsquellen wie elektronische Ausschilderungen stünden nur bedingt zur Verfügung.

Im Tarifstreit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern waren die Gespräche am Samstag ergebnislos abgebrochen worden. Die Gewerkschaft Verdi entschied jedoch, den seit zwölf Tagen andauernden Streik bei Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen auszusetzen, um den Berlinern "eine Atempause" zu gönnen. Sturmowski bezeichnete dies als "Mogelpackung". Der absehbare unregelmäßige Betrieb sei von Verdi "beabsichtigt".

BVG-Personalvorstand Lothar Zweiniger sagte, die andauernden Streiks in den Werkstätten zeigten, dass es "nicht der ernsthafte Wille von Verdi ist, die Stadt wieder mobil zu kriegen". Nach Angaben von Busdirektor Johannes Müller müssen die Fahrgäste mit Ausfällen rechnen. Wegen fehlender Routineprüfungen sei bereits im April ein Drittel der Busse nicht mehr einsetzbar. Auch U-Bahn-Direktor Hans-Christian Kaiser kündigte "Fahrten auf Verschleiß" an.

Verdi: "Es war nicht beabsichtigt, den Druck von der BVG zu nehmen"

Verdi-Sprecher Andreas Splanemann verteidigte am Sonntag die Entscheidung der Gewerkschaft. "Den Druck von der BVG zu nehmen, war auch gar nicht beabsichtigt", sagte Splanemann. Er warf Finanzsenator Thilo Sarrazin und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (beide SPD) vor, sie legten es auf Konfrontation an.

BVG-Chef Sturmowski wies die Verdi-Forderung nach neuen Angeboten zurück, äußerte jedoch weiterhin Verhandlungsbereitschaft. Er verwies auf die hohe Verschuldung des Unternehmens von derzeit 1,2 Milliarden Euro. "Wir gefährden die Existenz der BVG, wenn wir überziehen, wenn eine zu hohe Forderung auf dem Tisch liegt."

Das jüngste Angebot der BVG von 20 Millionen Euro für 24 Monate sei "fair" gewesen, sagte der BVG-Chef. Verdi hätte diese Summe "auf zwei Prozent mehr Lohn für die Altbeschäftigten und fünf Prozent für die seit 2005 Beschäftigten aufteilen können". Die Gewerkschaft hatte das 20-Millionen-Paket als "Diktat" bezeichnet und zuletzt bis zu neun Prozent mehr gefordert. Das entspräche Mehrkosten von rund 38 Millionen Euro.

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