Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst : Familien betrifft Streik am stärksten

Am Mittwoch streiken Angestellte im öffentlichen Dienst. Einige Kitas schließen, an vielen Schulen fällt Unterricht aus. Eine Erzieherin erzählt, warum sie streikt.

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Am Mittwoch wird an vielen Schulen, Kitas und Behörden gestreikt.
Am Mittwoch wird an vielen Schulen, Kitas und Behörden gestreikt.Foto: dpa

In der Kita in der Kreuzberger Methfesselstraße spielt an diesem Mittwoch kein Kind. „Wir streiken“, sagt Erzieherin Rosi Wicher. Die Eigenbetriebs-Kita mit 93 Kindern und 15 Erziehern ist eine von rund 300 Kitas in Berlin, die die Gewerkschaften zum Warnstreik aufgerufen haben. Nicht alle werden ganz schließen, in vielen Einrichtungen gibt es aber Einschränkungen. Es geht um den Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst, der Streik betrifft also auch Bürgerämter, Landesämter, Universitäten, Angestellte bei Polizei und Feuerwehr.

Auch viele angestellte Lehrer und Erzieher der 700 öffentlichen Schulen streiken. Familien werden die Auswirkungen des Warnstreiks deshalb wohl am stärksten zu spüren bekommen – in Form von Unterrichts- und Betreuungsausfällen.

Schon vor einigen Tagen hätten sie die Eltern darüber informiert, dass die Kinder am Mittwoch nicht in die Kita kommen können, sagt Rosi Wicher. „Wir sind froh, dass so viele Eltern mit Verständnis reagieren. Vor allem, wenn sie hören, was wir verdienen.“ 2278 Euro brutto bekommt eine Erzieherin als Anfangsgehalt, in der höchsten Erfahrungsstufe sind es 2931 Euro. „Da bleibt nicht so viel übrig. Uns fehlt die Wertschätzung“, sagt Wicher. Besonders empörend findet sie, dass jetzt die Betriebsrente bedroht ist. Wenn sich die Arbeitgeber mit ihren Vorstellungen durchsetzen, würde das rund 20 Prozent weniger Zusatzrente bedeuten, hat die Gewerkschaft Verdi ausgerechnet.

Was Wicher nicht versteht: Wenn es zu wenig Erzieher gibt und außerdem immer betont werde, wie wichtig Bildung schon in der Kita sei – warum macht man den Beruf dann nicht attraktiver?, fragt sie und fügt an: „Wenn wir uns nicht selbst für unsere Belange einsetzen, macht es keiner.“

Also wird sie sich mit ihren Kollegen in der Friedrichstraße treffen und im Demozug zum Alexanderplatz mitlaufen. Dort ist um 10 Uhr die zentrale Kundgebung, und es wird wieder um die Forderungen der Gewerkschaften gehen: 5,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 175 Euro mehr, keine Einschnitte bei der Betriebsrente, Übernahme von Auszubildenen, Eindämmung der Befristungspraxis. 5000 bis 10 000 Teilnehmer erwarten die Gewerkschaften. „Ich rechne damit, dass wir den Alexanderplatz vollkriegen“, sagt GEW-Landeschefin Doreen Siebernik. Am nächsten Montag und Dienstag gehen die Verhandlungen in Potsdam weiter.

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