Berlin : Taschendiebe haben jetzt Hochkonjunktur

Mehr als 12 Millionen Mark Schaden im letzten Jahr / Grenzschützer starten Aufklärungskampagne (tsp) Besonders Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln sollten nach den Worten Rolls, der bei der Polizei das Referat vorbeugende Verbrechensbekämpfung leitet, auf ihre Brieftaschen und Handtaschen achten.Denn 40 Prozent der 1995 angezeigten Fälle ereigneten sich hier - vor allem beim Einsteigen, wenn an der Haltestelle oder auf Bahnhöfen geschoben und geschubst wird.Beliebteste Ziele der Taschendiebe: Die Bus-Linien 100, 145, 129, 109 und 144, die U-Bahn-Linien 7, 6, 2 und 8 sowie die S-Bahnlinie 5 - alles Routen, die attraktive Einkaufsgegenden kreuzen und die stark genutzt werden.Erfahrene BVG-Nutzer wissen das und achten daher scharf auf ihre Wertsachen, manchmal aber ergreifen auch Mitarbeiter die Initiative.Eine Beobachtung aus dem 148er, gestern vormittag - an seinen Fahrscheinkasten hatte der Busfahrer einen selbstgemalten Zettel geklebt: "Vorsicht Taschendiebe." Insgesamt 28 874 Anzeigen wegen Diebstahls registrierte die Polizei im vergangenen Jahr, am Ende dieses Jahres werden es über 30 000 sein.Die Dunkelziffer liegt aber Schätzungen zufolge zwei bis dreimal höher."Wem nur das Geld gestohlen wird, der verzichtet meist auf eine Anzeige", sagt Roll, "die meisten gehen erst dann zur Polizei, wenn auch die Ausweise oder die Checkkarten abhanden gekommen sind." Wie schwer es indessen ist, Taschendiebe zu überführen, belegt diese Zahl: Nur 1009 Mal konnten 1995 Täter auf frischer Tat ertappt werden.Nach Rolls Worten "ist diese Straftat die mit der höchsten Quote nichtdeutscher Täter".Über 85 Prozent waren es im vergangenen Jahr, die meisten stammten aus Südosteuropa (Rumänien, Ex-Jugoslawien) und Südamerika (Peru, Brasilien).Knapp die Hälfte war noch nicht einmal 18 Jahre alt - darunter viele strafunmündige Kinder, die von ihren Eltern zum Stehlen geschickt wurden.Wird aber ein strafmündiger Täter überführt und festgenommen, muß er mit einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren rechnen.Diebstahlssachen übrigens gehören zu den häufigsten Fällen, die seit September in den beschleunigten Gerichtsverfahren in Moabit verhandelt werden. Auch der Bundesgrenzschutz (BGS) nimmt Taschendiebe jetzt ins Visier.Schäferhund "Ilja" steht im Mittelpunkt einer neuen, einjährigen Kampagne: Auf 100 000 Postkarten und Plakaten soll der BGS-Hund sympathisch Sicherheit vermitteln, der Spruch "Wir können nicht überall sein" aber gleichzeitig auf die Verantwortung jedes einzelnen aufmerksam machen.Die BGS-Beamten wachen nicht nur über die Grenzen, sondern gehen auch als Bahnpolizisten auf S-Bahnhöfen und Bundesbahnhöfen auf Streife.Die Postkarten verteilen sie zum Beispiel an Reisende, die ihr Gepäck unachtsam liegenlassen.Und Winfried Rolls Fazit ist : "Gedränge nur dem Dieb gefällt, drum Augen auf, und Hand aufs Geld."

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben