Taskforce Okerstraße : Brennpunkt entschärft

Alles sei schon wesentlich besser geworden in der Okerstraße. Trotzdem müsse sich dort wie überall in Neukölln noch viel verändern. Das ist die Bilanz der Taskforce Okerstraße.

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Foto: Kitty Kleist-Heinrich
09.03.2010 17:13Seit November 2009 ist eine fünfköpfige "Task Force Okerstraße" im Kiez unterwegs. Die fünf Streetworker sollen das weitere...

Berlin - Dafür gebe es jetzt ein funktionierendes Rezept: ein Netzwerk aus Vertretern von Jugend-, Gesundheits-, Ordnungs-, Schulamt, Bauaufsicht und Polizei. Diese Zwischenbilanz zogen jedenfalls die Beteiligten des Projekts „Task Force Okerstraße“ am Freitag.

Das Bezirksamt Neukölln und das Quartiersmanagement Schillerpromenade hatten die Task Force vor einem Jahr gemeinsam initiiert, „weil ein Zusammenleben in der Nachbarschaft unmöglich geworden war“, sagt Quartiersmanagerin Kerstin Schmiedeknecht. „Bis zu 17 Leute lebten in Drei-Zimmer-Wohnungen“, sagt der Neuköllner Migrationsbeauftragte Arnold Mengelkoch. Hinterhöfe waren vermüllt, Häuser von Schimmel befallen, Jugendliche und Kinder trieben sich auf der Straße herum, anstatt zur Schule gehen.

Zum Teil lagen die Probleme an einem massiven Zuzug von Roma-Familien in die Straße. „Aber nicht nur“, das ist Kerstin Schmiedeknecht wichtig. Die Kinder und Jugendlichen sind dank der Sozialarbeiter von Integra kaum noch auf der Straße anzutreffen. Sie finden in den Räumen des Vereins, der auf Initiative der Task Force an der Okerstraße eröffnete, Betreuung. Und die Eltern Beratung. „Über die Kinder sind wir an die Erwachsenen herangekommen“, sagt Murat Acar, der Integra leitet. Die betreuten Kinder seien alle Rumänen, die Jugendlichen kämen aus verschiedenen Ländern. 350 000 Euro hat das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt bereitgestellt, damit Integra noch zwei Jahre mit acht Mitarbeitern in der Okerstraße weiterarbeiten kann.

Auch das Problem der illegalen Untervermietung und der überbelegten Wohnungen habe man in den Griff bekommen, sagt der Migrationsbeauftragte Mengelkoch. „Wo wir aufgetaucht sind, sind die illegalen Untermieter verschwunden“, sagt er. „Wir“ – das bedeutet eine Gruppe aus verschiedenen Mitgliedern der Eingreiftruppe – etwa Jugendamt, Bauaufsicht und Polizei gemeinsam. „Und Familien, die einen Mietvertrag haben, unterstützen wir gegen Hausbesitzer, die Mieter zwischen Kakerlaken und Löchern in der Decke wohnen lassen.“

So erfolgreich sie ist – der Name „Task Force Okerstraße“ soll jetzt verschwinden, weil „alle denken, wir stürmen die Wohnungen“, sagt Mengelkoch. Es gab viel Protest gegen das Projekt. Die Arbeitsgruppe im Bezirksamt aber trifft sich weiterhin regelmäßig – und nimmt auch andere Neuköllner Brennpunkte ins Visier: etwa die Treptower Straße und die Kirchhofstraße. Inzwischen gibt es dort überbelegte Häuser voller Roma- Familien. Ob da eine Verdrängung stattfinde? Das könne man nie genau herausfinden, sagt Megelkoch. Das Problem entstehe vor allem, weil Hausbesitzer Wohnungen mit Menschen „vollkriegen“ wollten, die bis zu 200 Euro für einen Platz auf einer Matratze bezahlten. Daniela Martens

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