Tatort Berlin : Wie die Mordkommission arbeitet

18.02.2012 00:00 Uhrvon
Mit diesen Wattestäbchen werden DNA-Proben genommen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Mit diesen Wattestäbchen werden DNA-Proben genommen. - Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Wenn ein Mensch getötet wird, klingelt das Handy. Und die Kleinarbeit beginnt. Ein Besuch bei den Männern und Frauen der Mordkommission.

Die Aufklärungsquote liegt über 90 Prozent

Jaß wirft einen skeptischen Blick auf sein Telefon, das nicht klingelt. Der Bereitschaftsdienst, sagt er, sei diesmal fast schon unheimlich ruhig. Er bekomme nicht einmal „Angebote“. Angebot ist ein irreführender Begriff, weil Jaß keinen Fall, den ihm ein Kriminalpolizist aus einem Berliner Bezirk schildert, einfach ablehnen kann. Er muss prüfen, oft anhand nur dürrer Fakten, ob das Verbrechen in seinen Zuständigkeitsbereich fällt. Den Fall des Unbekannten, der in der Woche zuvor einen Stein auf die Stadtautobahn geworfen hatte, hat er kurz anrecherchiert. Ein Steinwurf kann ein versuchtes Tötungsdelikt sein. Doch es stellte sich heraus, dass der Stein klein war, und der Schaden am getroffenen Auto gering.

Am kalten Winterwetter liege es nicht, dass es so ruhig ist in der Stadt, glaubt Jaß. „Morde passieren bei jeder Jahreszeit und Mondphase.“ Damit spielt er auf die Einschätzung einer ehemaligen Kollegin an, dass sie die Mordkommissare vor Vollmondnächten besonders viel zu tun hätten.

Berlins Mordrate ist seit Jahren konstant, die Aufklärungsquote liegt über 90 Prozent. Ein Streit, der zu Messerstechereien ausartet, ein Mann, der an seiner Frau Rache nimmt, die sich trennen will. Das sind die klassischen Verbrechensmuster in der Stadt. Als neue Straftat sind Amokdrohungen hinzugekommen. „Erst seit Erfurt ist es ein Thema“, sagt er. Jaß zeigt ein Foto: In Kinderschrift steht da „Morgen Amok“ an eine Tafel geschrieben. Fast hundert ähnlichen Fällen mussten die Mordkommissionen vergangenes Jahr nachgehen. „Häufig will sich einer nur vor einer Klassenarbeit drücken und hofft, dass die Schule zugemacht wird.“

Jetzt klingelt das Telefon. Jaß nimmt ab, zieht ein weißes Blatt Papier aus dem Drucker, schreibt sich Stichpunkte auf: ein Liebesdrama unter Migranten, mehr darf er nicht sagen. Er lehnt den Fall ab, er ist nicht zuständig.

Die Tragödien der Großstadt branden bei Bernhard Jaß an. Er lässt sie nicht an sich heran. Nur wenn sie einen Mörder suchen, lassen ihn die offenen Fragen selbst im Bett nicht los. Im Fall des Buchhalters Mario G. rückte ein Rumäne in ihren Fokus, der in den letzten Wochen vor G.s Tod bei ihm gewohnt hatte. Nach dem Verbrechen war er nie mehr aufgetaucht. Schließlich wurde er in Rumänien festgenommen. In diesen Wochen wurde er ausgeliefert. Thomas Ruf vernahm ihn, zusammen mit einer Kollegin. Der Mann verweigerte die Aussage.

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