Tatort BVG : Taschendiebstähle in Berlin um ein Drittel gestiegen

In Bussen und Bahnen sind Taschendiebe besonders fleißig. Dabei helfen ihnen die höheren Passagierzahlen. Doch die Diebe sind auch professioneller geworden und arbeiten meist als Team.

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Taschendiebe haben in Bussen und Bahnen Hochkonjunktur.
Taschendiebe haben in Bussen und Bahnen Hochkonjunktur.Foto: dpa

Nicht immer geht’s so gut aus. Vor wenigen Tagen bemerkte ein in der S-Bahn am frühen Morgen eingeschlafener Fahrgast, wie ihm ein 18-jähriger Dieb das Handy aus der Hosentasche fischen wollte. Das Opfer hielt den Täter fest und alarmierte die Polizei, die den Dieb festnehmen konnte. Die Tat ist Alltag im Nahverkehr. Während bei fast allen Delikten die Zahlen rückläufig sind, steigen sie bei Diebstählen rasant. Die BVG meldet für 2013 einen Rekord: 5512 Taschendiebstähle bei Fahrgästen gab es, 31,5 Prozent mehr als 2013. Und die Bundespolizei bearbeitete im vergangenen Jahr in Berlin und Brandenburg bei der Bahn 6430 Diebstähle; zehn Prozent mehr als 2012.

Den rasanten Anstieg führt man in den Verkehrsbetrieben und bei der Polizei auf mehrere Gründe zurück: So hat die Zahl der Fahrgäste – und damit die der potenziellen Opfer – erheblich zugenommen; 2013 waren es mehr als 947 Millionen. Weil das Angebot erst in diesem Jahr spürbar erweitert worden ist, sind viele Busse und Bahnen häufig rappelvoll, was Dieben die Arbeit im Gedränge erleichtert. Viele Opfer gibt es bei den Buslinien auf dem Kurfürstendamm oder den vor allem von Touristen genutzten Linien 100 (Zoo–Alexanderplatz) und 200 (Zoo–Michelangelostraße).

Aber auch die Diebe sind professioneller geworden und arbeiten meist als Team zusammen. Einer lenkt das ausgesuchte Opfer ab, ein weiterer bestiehlt es und ein dritter Täter übernimmt die Beute und entfernt sich sofort. Häufig sind darunter Kinder und Jugendliche. Beliebt bei Dieben sind aber nicht nur volle Fahrzeuge, sondern beispielsweise auch viel genutzte Rolltreppen.

Zum Teil machten aber auch die Opfer die Taten leicht, klagt der Sprecher der Bundespolizei, Jens Schobranski. Teure Handys würden sichtbar präsentiert und oft leicht zugänglich verstaut. 25 Prozent bis 30 Prozent der Diebstähle erfolgten zudem bei schlafenden Fahrgästen.

Die hohe Zahl der Taschendiebstähle führt bei der BVG dazu, dass die Zahl der Delikte in den Anlagen des Unternehmens erstmals seit Jahren wieder zugenommen hat. 14 362 Vorfälle weist der jetzt veröffentlichte Sicherheitsbericht 2013 aus. 2008 waren es noch 16 107. Rückgänge gab es bei Körperverletzungen, Raub, Beleidigungen und auch bei Sachbeschädigungen sowie bei den Übergriffen auf Mitarbeiter, was BVG-Sprecherin Petra Reetz auch auf die Videoüberwachung zurückführt. Mehr Taten als im Vorjahr wurden unter anderem auch bei Sexualdelikten mit einer Steigerung von 47 auf 65 erfasst.

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