Berlin : Tatort Wohnung

13000 Fälle von häuslicher Gewalt wurden 2003 angezeigt – fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Polizei hält das für einen Aufklärungserfolg

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Im vergangenen Jahr wurden der Polizei nach TagesspiegelInformationen 13000 Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet. So hoch war diese Zahl noch nie. Im Vorjahr waren es 7500 Fälle, 2001 vergleichsweise niedrige 4166. Das bedeute aber nicht, dass plötzlich mehr Frauen verprügelt würden, sagte Kriminaldirektorin Ursula Falkenstern. Sie ist beim Landeskriminalamt für das Themengebiet Häusliche Gewalt zuständig. Vielmehr sei das „Dunkelfelderhellt worden“, wie es im Polizeideutsch heißt. Das bedeutet: Immer mehr Opfer – zu 80 Prozent Frauen und Kinder – trauen sich, die Täter anzuzeigen. Und auch immer mehr Nachbarn oder Angehörige schauen nicht mehr weg, sondern wagen den Schritt, zur Polizei zu gehen.

Ursula Falkenstern ist sicher, dass dies mit der umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit zu tun hat, die die Polizei gemeinsam mit anderen Institutionen wie dem Verein BIG e.V. („Berliner Initiative gegen Gewalt gegen Frauen) – siehe Kasten – betreibt. Eine große Hilfe für die Polizei ist das Allgemeine Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (ASOG), das vor fast genau einem Jahr um den Paragraphen 29a erweitert wurde: Damit darf die Polizei veranlassen, dass der Täter die Wohnung verlassen muss und sie bis zu 14 Tage lang nicht wieder betreten darf. Über 1000 dieser so genannten „Wegweisungen“ wurden von der Polizei im Jahr 2003 veranlasst. Ob ein Täter der Wohnung verwiesen wird, entscheiden die Beamten beim Einsatz. „Immer, wenn Gefahr für Leib und Leben der Frau besteht“, sagt Ursula Falkenstern. Gemeinsam mit BIG e.V. wurde auch der Ratgeber „Leitlinien polizeilichen Handelns in Fällen häuslicher Gewalt“ entwickelt. Hiermit und in speziellen Fortbildungen werden die Beamten für den Einsatz bei häuslicher Gewalt geschult.

Opfer von häuslicher Gewalt können beim Familien- oder Amtsgericht auch nach Paragraph 1 des Gewaltschutzgesetzes eine gerichtliche Verfügung beantragen, dass der Täter sich für mindestens sechs Monate der Wohnung nicht nähern und keinen Kontakt zum Opfer aufnehmen darf. Im vergangenen Jahr hat die Polizei 600 Fälle gezählt, in denen die Täter gegen diese Auflagen verstoßen haben. Tanja Buntrock

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