Tauentzienstraße : Senat: ''Umbau-Idee ist völliger Quatsch"

Der Streit zwischen Senat und Bezirk um den Umbau der Tauentzienstraße spitzt sich zu. Ein Vorschlag aus Charlottenburg, alle Verkehrsteilnehmer auf der Einkaufsmeile mit gleichen Rechten auszustatten, stößt beim Senat auf wenig Gegenliebe - war aber wohl auch nicht ganz ernst gemeint.

Jörn Hasselmann

BerlinDer Streit um die Neugestaltung der Tauentzienstraße nimmt an Schärfe zu. Brüsk hat die Senatsverkehrsverwaltung am Dienstag die Radikallösung der Charlottenburger Bürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) zurückgewiesen, die die Einkaufsstraße nach holländischem "Shared Space"-Vorbild umkrempeln will. "Diese Idee ist völliger Quatsch", sagt die Sprecherin von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Einen derartigen Umbau einer der wichtigsten Berliner Einkaufsstraßen werde "es ganz bestimmt nicht geben", sagte Manuela Damianakis. Eine Aufgabe von Gehwegen an einer Straße mit derartig hoher Fußgängerfrequenz sei ausgeschlossen.

Das von der Bezirksbürgermeisterin vorgeschlagene und vom holländischen Verkehrsplaner Hans Monderman erfundene Konzept macht seit Jahren Schlagzeilen, doch Vorbilder gibt es nur in Kleinstädten. Bei diesem "geteilten Raum sind Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer gleichberechtigt. Schilder, Ampeln und Gehwege gibt es dabei nicht mehr. Durch diesen Verzicht würden alle zum Langsamfahren und gegenseitiger Rücksicht gezwungen.

In Deutschland ein Einzelfall
 
Bislang ist das 13.000-Einwohner-Städtchen Bohmte in Niedersachsen die einzige deutsche Gemeinde, die am EU-Projekt Shared Space teilnimmt. In Berlin ist nach Damianakis’ Angaben noch gar keine Straße gefunden worden, die sich für einen Versuch eignen würde. Wie berichtet, will der Potsdamer Ortsteil Babelsberg eine kleine Seitenstraße testweise umbauen.

Auch der Baustadtrat des Bezirks Klaus-Dieter Gröhler (CDU) lehnt den Vorschlag seiner Bürgermeisterin rundweg ab: "Kontraproduktiv und gefährlich auf Hauptverkehrsstraßen." Dem Vernehmen nach hat auch Thiemen den in einer Boulevardzeitung lancierten Vorschlag nicht ernst, sondern vielmehr als Provokation gegenüber dem Senat gemeint.

CDU will breitere Gehwege

Wie berichtet streiten beide Parteien seit Wochen über die Umgestaltung der Mittelpromenade: Der Senat favorisiert eine "durchgehende Mittelpromenade" mit Beeten und Bäumen. Dies sei ohne Mitwirkung des Bezirkes und aller Beteiligten entschieden worden, klagt Gröhler. Er halte eine Mittelpromenade für unpraktikabel, da "die Menschen Schaufenster gucken" in einer Einkaufsstraße wollten. Deshalb sei eine Verbreiterung der Gehwege auf beiden Seiten viel sinnvoller. Dies jedoch lehnt der Senat als zu teuer ab. Doch Gröhler hält die Kosten von gut zwei Millionen Euro vertretbar, da sich der Umbau ohnehin auf etwa vier Jahr erstrecken werde. "Für den Umbau des Spittelmarktes ist irre viel Geld da", sagt der Baustadtrat. Die Tauentzien sei eine der wichtigsten Einkaufsstraßen in Berlin. Wie berichtet, saniert die BVG die Decke der U-Bahn und muss dafür den Mittelstreifen an der Tauentzienstraße aufgerissen werden.

Eine Promenade gibt es bereits. Viel genutzt wird der Spazierweg jedoch nicht, da der Mittelstreifen an beiden Enden, also am Wittenbergplatz und am Breitscheidplatz, durch Taxistände und Überfahrten weder Anfang noch Ende hat. Gröhler will sich jetzt mit seinem Schöneberger Kollegen Oliver Schworck zusammentun, der für das östliche Ende der Straße zuständig ist und alle Beteiligten an einen Tisch holen. So solle der Senat überzeugt werden, dass es sinnvoller wäre, die Gehwege der Einkaufsstraße zu verbreitern.

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