Berlin : Tausende Kinder ziehen um

Zeitplan für die Umstrukturierung der Kitas und Horte bleibt strittig – Vorwürfe an den Senat

Constance Frey,Susanne Vieth-Entus

Die Umstrukturierung der Kita- und Hortlandschaft geht in die heiße Phase: Tausende Schulkinder werden bis zum Sommer 2005 ihre bisherigen Horte verlassen, um künftig direkt in ihren Grundschulen oder in benachbarten Horten unterzukommen. Nach und nach geben die Bezirke bekannt, welche Kitas geschlossen oder zu reinen Horthäusern umfunktioniert werden. „Die Verwirrung der Eltern ist groß“, konstatiert der Vorsitzende des Landeselternausschusses Kindertagesstätten (Leak), Robert Podolski. Er hält die Umstrukturierung an sich für richtig, plädiert aber dafür, die Einwände der Familien ernst zu nehmen.

Besonders unübersichtlich wird die Situation dadurch, dass zeitgleich auch die Übertragung von öffentlichen Kitas an freie Träger forciert wird. Zudem sollen die verbleibenden öffentlichen Kitas in Eigenbetrieben zusammengefasst werden. Trotz dieser Ballung von Problemen verspricht Jugendsenator Klaus Böger (SPD), dass alle Kinder mit Betreuungsbedarf einen Platz erhalten.

Die Bezirke kommen unterschiedlich gut mit den Problemen klar. In den östlichen Bezirken gibt es weniger Konflikte, weil dort schon immer die Horte an den Schulen waren. Mehr Sprengstoff gibt es in den westlichen Bezirken. Das zeigte sich auch gestern, als Charlottenburg-Wilmersdorf sein Konzept vorstellte. Von den 41 Kitas sollen, wie gestern berichtet, etwa zehn zu reinen Horten umgewandelt werden. Die Häuser am Schoelerpark, an der Gierkezeile, in der Winterstein-, Schiller-, Pestalozzi-, Schaper-, Olbers- und Niebuhrstraße sollen geschlossen werden.

„Man kann jetzt über konkrete Vorschläge streiten“, kommentiert Schul- und Jugendstadtrat Reinhard Naumann (SPD) die Pläne. Für Ralf Mennicke vom Vorstand des Bezirkselternausschusses sind die Vorgaben „noch das Beste, was man machen konnte“. Der Aufschrei vieler Eltern sei nur bedingt verständlich, da über die Folgen des Schulgesetzes „mit allen Kitavertretern ausführlich gesprochen worden ist.“

Sabine Somorowski hat im Moment vor allem eine konkrete Frage: Wohin soll ihre vierjährige Tochter nächstes Jahr gehen, wenn ihre Kita zum Hort wird? „Viele Eltern werden längere Anfahrtswege haben oder auf freie Träger zurückgreifen müssen,“ sagt sie. Die seien im Schnitt 50 Euro teurer im Monat und würden oft später öffnen. Zudem ist noch nicht klar, welche Kitas von freien Trägern übernommen werden.

Diese Probleme kennt auch Naumann, gibt jedoch die Schuld dem Senat. „Es liegen noch keine Ergebnisse der Verhandlungen mit den freien Trägern vor.“ Die seien für Oktober angekündigt worden, jetzt rechne man erst Ende November mit Ergebnissen. Bis Weihnachten sollen alle Eltern wissen, welche Alternativen für einen Kitaplatz sie haben.

Fragen zur Umstrukturierung in Charlottenburg-Wilmersdorf werden unter kita-entwicklungsplan2005@charlottenburg-wilmersdorf.de beantwortet. Überregionale Infos unter www.leak-berlin.de.

Gegen die geplante Umstrukturierung der Kita Glockenturmstraße gibt es heute dort um 15 Uhr eine Demonstration.

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