Taxi-Streit : Flughafen Tegel ruft Polizei zur Hilfe

Im Streit um die Service-Gebühr für Taxis am Flughafen Tegel eskalieren die Auseinandersetzungen zwischen den Fahrern. Für die potentiellen Fahrgäste gibt es lange Wartezeiten durch Blockaden.

Klaus Kurpjuweit

Die Flughafengesellschaft ist nicht mehr Herr auf ihrem Gelände in Tegel. Dort wollte sie Taxifahrer zu mehr Service verdonnern, doch diese spielen auf dem Flughafen Katz und Maus – auch zu Lasten der ankommenden Passagiere, die oft lange warten müssen, ehe sie ein Taxi Richtung Stadt bekommen: Weil die Zufahrt blockiert wird – oder weil Fahrer, die Kunden einsteigen lassen wollen, von Kollegen, die sich an den Protesten beteiligen, so eingeschüchtert werden, dass sie den Flughafen ohne Fahrgast verlassen.

Mehrfach hat die Flughafengesellschaft bereits angekündigt, durchgreifen zu wollen. Passiert ist aber nicht viel. Die Flughafengesellschaft fühlt sich hier von der Polizei und dem für Taxis zuständigen Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten alleingelassen, von dem gestern keine Stellungnahme zu erreichen war. Nun will der Flughafen mit Anzeigen gegen Fahrer vorgehen, die die Bestimmungen nicht einhalten.

Derweil warten die Kontrahenten weiter auf eine Gerichtsentscheidung, die klären soll, ob die Flughafengesellschaft 50 Cent von den Taxifahrern kassieren darf, die sich diese wiederum von den Fahrgästen zurückholen dürfen. So sieht es seit 1. Juli der vom Senat genehmigte Tarif vor, der mit zwei von drei Taxiverbänden auch so abgesprochen war.

Ein Großteil der Fahrer will sich jedoch nach wie vor nicht daran halten und wehrt sich vor allem dagegen, dass die Flughafengesellschaft die von ihr erlassenen Vorschriften durch eine dafür angeheuerte Fremdfirma kontrollieren lassen will. Dazu gehören saubere Fahrzeuge ebenso wie das Angebot, die Fahrt per Kreditkarte bezahlen zu können. Zudem sollen die Kontrolleure gewährleisten, dass Fahrer kurze Strecken nicht ablehnen. Ursprünglich war auch vorgesehen, von den Fahrern Englischkenntnisse zu verlangen; darauf hat man dann jedoch verzichtet.

Mit den 50 Cent sollen die Kontrolleure finanziert werden. Die Gebühr wird fällig, wenn die Fahrer auf dem vom Flughafen eingerichteten Nachrückplatz stehen und dort warten, bis sie zum Einstiegsbereich fahren können. Dafür ist die bisher fällige Jahresgebühr in Höhe von 72 Euro für den Nachrückplatz entfallen. Den sogenannten Transponder, der erforderlich ist, um die 50 Cent bei der Einfahrt auf den Nachrückplatz zunächst abzuziehen, haben nach Angaben von Flughafen-Sprecher Ralf Kunkel inzwischen rund 800 Taxifahrer für 20 Euro gekauft. Diese 800 Taxis würden ausreichen, um den Flughafenverkehr abzuwickeln. An der bisherigen Regelung mit der Jahresgebühr in Höhe von 72 Euro hatten sich mehr als 3000 beteiligt – allerdings auch erst nach einer erfolglosen Klage vor Gericht.

Um auf dem Flughafen wieder „rechtmäßige Verhältnisse“ herstellen zu können, benötige man die Hilfe der Polizei und des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, sagte Kunkel weiter. Der Flughafen allein könne gegen die illegalen Aktionen nicht vorgehen. Polizei und Mitarbeiter des Amtes waren bisher fast nie zu sehen. Ein Mitarbeiter sprach von teilweise unhaltbaren Zuständen. Was Berlin hier ankommenden Passagieren, die mit einem Taxi in die Stadt wollen, zumute, sei unwürdig für eine Metropole.

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