Taxifahren in Berlin an Silvester : „Es sind immer Verrückte dabei“

Wie erlebt ein Taxifahrer eigentlich Silvester? Verbandschef Detlev Freutel erzählt im Interview, wieso er gerne an Silvester arbeitete und was die schönsten Überraschungen waren.

Lars von Törne
Nach einer durchfeierten Silvesternacht steigen viele Berliner gerne ins Taxi - nicht immer zur Freude der Taxifahrer. Foto: dpa
Nach einer durchfeierten Silvesternacht steigen viele Berliner gerne ins Taxi - nicht immer zur Freude der Taxifahrer.Foto: dpa

Herr Freutel, freut man sich als Taxifahrer auf Silvester oder fürchtet man sich eher?
Die Freude überwiegt. Man hat Fahrgäste im Überfluss, das Taxi läuft heiß. Das ist wie ein Paradies für uns. Man weiß gar nicht, welche Früchte man zuerst pflücken soll. Unerfahrene Fahrer werden allerdings auch ziemlich nervös, wenn sie an die Nacht denken.

Wieso?
Das Fahren ist furchtbar anstrengend. Das ahnt man als normaler Autofahrer gar nicht. Wenn Sie da 300 bis 400 Kilometer in dieser einen Nacht fahren, in der sich alles verdichtet, dann zehrt das schon an den Kräften.

Was ist besonders schlimm?
Das hängt von den Stadtvierteln ab. Es gibt Ortsteile, da sind die Straßen voller Scherben und unter jedes Auto wird ein Böller geworfen – vor allem unter Taxen. Das ist natürlich besonders anstrengend.

Welche Viertel würde man als Taxifahrer in der Nacht lieber meiden?
Vor allem die Innenstadtbezirke, in denen viele Menschen auf den Straßen feiern, wie Kreuzberg, Neukölln und Schöneberg. In Zehlendorf oder Reinickendorf hingegen kommt man auch in der Nacht gut voran. Aber wo viele Menschen sind, sind immer auch einige Verrückte dabei.

Foto: Thilo Rückeis
Foto: Thilo Rückeis

Wie oft sind Sie in der Silvesternacht Taxi gefahren?
21 Jahre lang.

Fehlte es Ihnen in all den Jahren nicht, den Jahreswechsel privat feiern zu können?
Nein, ich hasse private Silvesterfeiern. Ich war immer froh, das mit dem Geldverdienen verbinden zu können.

Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an diese Nächte?
Das sind vor allem kleine, persönliche Momente. Da gibt einem eine Dame schon mal einen Kuss, weil sie sich so freut, dass sie ein Taxi bekommt. Aber andere beschimpfen einen auch, wenn sie einsteigen, weil sie mehr als eine Stunde auf ein Taxi warten mussten. In der Nacht sind die Menschen unter Hochspannung. Und manche sind dann eben ganz besonders schlecht gelaunt.

Hat sich die Stimmung der Fahrgäste über die Jahre geändert?
Ja. Der Anteil jener, die kein Benehmen haben und furchtbare Sprüche machen, hat zugenommen, gerade bei frustrierten Jugendlichen. Andererseits kommen in der Nacht immer mehr Touristen nach Berlin, das sind in der Regel angenehme Fahrgäste – laut, aber gehorsam. Als Taxifahrer braucht man gute Nerven. Man bekommt die Welt so in sein Auto, wie sie ist.

Haben Sie einen Tipp, wie man in der Neujahrsnacht ein Taxi bekommt?
Zum Vorbestellen ist es jetzt zu spät. Und nach Mitternacht wird’s eng – da muss man einfach Geduld haben, sich an die Straße stellen und warten.

Zur Person: Detlev Freutel, 61, ist Vorsitzender des Taxiverbandes Berlin-Brandenburg. Bis vor vier Jahren war er in jeder Silvesternacht als Taxifahrer im Dienst.

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