Berlin : Taxifahrer streiten über höhere Preise

Die Innung will ab März 15 Prozent mehr. Doch manche Chauffeure fürchten, dass Fahrgäste ausbleiben

Hannes Heine

Taxifahren in Berlin soll teurer werden. Der Senat wird voraussichtlich kommende Woche über einen Antrag der Innung des Berliner Taxigewerbes und des Taxiverbands Berlin-Brandenburg auf Erhöhung der Fahrpreise entscheiden. Beobachter gehen davon aus, dass der Forderung nach 15 Prozent mehr Fahrgeld uneingeschränkt stattgegeben wird: Eine Fahrt vom Potsdamer Platz zum Flughafen Tegel würde dann anstatt etwa 18 mehr als 20 Euro kosten. Doch die ab März vorgesehene Erhöhung der Fahrpreise ist gerade unter Taxifahrern heftig umstritten.

Mit ihrem Tarifantrag haben die Verbände einerseits auf den Druck ihrer Mitglieder reagiert: Taxiunternehmer beklagen, dass die Kosten für Treibstoff, Versicherungen und Reparaturen stark gestiegen sind. Eine Preiserhöhung sei notwendig, sonst drohe vielen der Ruin. Derzeit verdienten Taxifahrer häufig weniger als vier Euro netto in der Stunde. Etwa 900 Euro im Monat seien üblich, Wochenarbeitszeiten von 70 Stunden keine Seltenheit. Seit 2001 sind die Fahrpreise nicht erhöht worden.

Viele Taxifahrer fürchten andererseits nun noch weniger Kundschaft. Schon jetzt gebe es zu wenige Fahrgäste, höhere Preise wirkten nur noch zusätzlich abschreckend. „Die Taxifahrer sind in Sachen Fahrpreiserhöhung gespalten“, sagt Detlef Freutel vom Taxiverband. Viele Fahrer beklagen, dass sie nur noch an Wochenenden Kundschaft hätten und oft stundenlang auf den Halteplätzen warteten. „Die meisten Gäste nehmen dann auch nur die Kurzstrecke“, sagt Manfred Riemann, der seit zehn Jahren als Taxifahrer arbeitet. Wenn die Kurzstrecke – derzeit kosten die zwei Kilometer noch drei Euro – wie geplant um 50 Cent teurer werden, könne dies potenzielle Kunden vergraulen.

„Ich habe nicht mal zwei Fahrgäste in der Stunde, den Leuten ist Taxifahren zu teuer“, sagt Ersan Dogany, der vor allem in Mitte unterwegs ist. Die Kunden wollten nicht mehr zahlen, pflichtet ihm ein Kollege auf dem Halteplatz am Ostbahnhof bei. Wenn Fahrgäste nach zwei Kilometern aussteigen und lieber zu Fuß weiter laufen würden, um nicht mehr als den Kurzstreckentarif zu entrichten, sei eine Fahrpreiserhöhung unangebracht: „Die Berliner haben einfach zu wenig Geld“, heißt es auch am Hauptbahnhof.

Dem widersprechen die Befürworter des Tarifantrags nicht. Doch sie argumentieren damit, dass etwa 70 Prozent der Kundschaft Geschäftsreisende aus aller Welt seien – und diese Fahrgäste würden ohne weiteres mehr zahlen, heißt es. Die Taxiinnung sieht angesichts sinkender Fahrgastzahlen vielmehr in zu vielen Konzessionen das Problem – 6660 Taxis sind in Berlin zugelassen, 2001 waren es noch mehr als 7000. Wegen der geringen Nachfrage seien aber 5500 Taxis vollkommen ausreichend, sagt Bernd Dörendahl von der Taxi-Innung. Hinzu komme außerdem ein anderes Problem: Die unangemeldeten Taxis, die der legalen Konkurrenz die Kunden wegnähmen. Und außerdem: „Die BVG erhöht auch ständig ihre Preise.“ Hannes Heine

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