Teenie-Star : Berlin im Bieber-Fieber

Der Sänger Justin Bieber kommt heute nach Berlin. Die jungen Fans sind schon außer sich. Doch wie ihr Idol müssen sie mit dem Erwachsenwerden noch zurechtkommen.

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Bieberlicious. So beschreiben Fans des Teenie-Stars ihr Idol Justin Bieber gerne. Mindestens ebenso viele Menschen halten den Hype um ihn für ungenießbar. Sein Konzert in Berlin ist ausverkauft.
Bieberlicious. So beschreiben Fans des Teenie-Stars ihr Idol Justin Bieber gerne. Mindestens ebenso viele Menschen halten den Hype...Foto: dpa

Fans von Justin Bieber zu erkennen ist eigentlich einfach. Sie sind meist weiblich, zwischen zehn und 15 Jahren alt, die Zahnspange ist optional. Wichtigstes Merkmal: Ein mit Filzstift gemaltes Herz auf der linken Wange und die Initialen J.B. auf der rechten. So werden sie aussehen, die bis zu 17 000 Fans, die heute zum Konzert von Justin Drew Bieber in die ausverkaufte Arena am Ostbahnhof kommen werden. Dort können sie ihre Schwärmerei für den kanadischen Teeniestar noch offen ausleben. Sonst beschränken sich die „Beliebers“, wie sich seine Fans nennen, eher auf Foren im Internet. Denn dort können sie anonym einem Idol huldigen, das seinen Fans längst entwachsen ist.

Das Auftaktkonzert seiner „Believe“-Tour 2013 in München war noch vielversprechend. Mit Engelsflügeln auf dem Rücken schwebte er auf der Bühne ein. Weißer Anzug, goldglitzernde Handschuhe. Wie sein Vorbild Michael Jackson greift Bieber sich während seiner Songs demonstrativ in den Schritt. Wie seinem Vorbild hat auch dem 19-jährigen Bieber der Ruhm nicht gutgetan. Ein verspäteter Konzertbeginn in England, eine Absage in Lissabon und sein Zusammenbruch wegen Atemproblemen auf der Bühne in London – zuletzt verstörte der Star seine Fans. In der Münchner Olympiahalle blieben Plätze frei.

Für den Auftritt in Berlin kann man keine Karten mehr kaufen. Aber wen soll das wundern? Die Fanbase des Popsängers, der im Alter von 14 Jahren durch den US-Star Usher entdeckt wurde, nachdem der seine Clips auf Youtube gesehen hatte, ist riesig. Fast 37 Millionen Menschen folgen ihm auf Twitter. Seine deutsche Facebook-Page gefällt immerhin noch rund 50 000 Menschen. Eigentlich müssten die Fans überall zu finden sein. Doch nur eines entspricht heute noch mehr dem Mainstream als Justin Bieber zu lieben: Justin Bieber zu hassen.

Der Weg zu den „Beliebers“ führt über quietsch-rosa Websites, vorbei an unzähligen Emoticons, Herzchen und Bildern von Justin Bieber zu jenen Fan-Foren, wo Biebers junge Zielgruppe sich im Schutze der Anonymität der Schwärmerei hingeben kann. „Er ist so süß. Wir sind einfach begeistert. Wir haben alle Alben und sammeln jeglichen kleinen Schnipsel von ihm ...“, sagte etwa die zwölfjährige Vanessa nach Biebers letztem Konzert in Berlin vor zwei Jahren. Ein andere begeisterte sich gerade nach dem Konzert in München: „Ich habe die gleiche Luft geatmet wie er.“

Liebesbekundungen junger Mädchen, die sich selbst noch finden müssen? Im Internet bieten sie Angriffsfläche für Häme und Spott, was die Fangemeinde nur umso mehr zusammenschweißt. Vor dem heutigen Konzert ist Twitter voll mit Einträgen junger Fans, die sich auf ein Wiedersehen mit „der Familie“ freuen.

Eine Familie, aus der Bieber selbst mittlerweile herausgewachsen ist. In Los Angeles erwartet ihn eine Anzeige wegen angeblicher Körperverletzung. Eines aber hat er mit den jungen Fans noch immer gemein: Er hadert mit dem Erwachsenwerden. Im Magazin „US-Weekly“ stellte er jetzt sogar eine Pause in Aussicht: „Ich denke darüber nach, was das Beste ist. Ist es nicht das, was man als 19-Jähriger machen sollte?“

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