Berlin : Teer ist Trumpf

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VON TAG ZU TAG

Von Andreas Conrad

Straßenkämpfe innerhalb der Urhorde dürfen wir uns schon deswegen als moderat vorstellen, weil es noch keine Straßen gab, schon gar keine gepflasterten. Im Neandertal griff man sich, was gerade herumlag, einen abgenagten Knochen, einen Fetzen Mammutfleisch, einen morschen Ast. Steine wurden mangels Werkzeugen zur handgerechten Bearbeitung selten eingesetzt. auch auf die Idee, der gegnerischen Horde vor dem Scharmützel eigens Knochen, Fleischfetzen, Äste zu hinterlegen, wären weder Ötzi noch Yeti gekommen. Der homo sapiens ist da ein ganzes Stück weiter, wie man an den jüngsten Keilereien vor den Kreuzberger Wohnhöhlen sieht. Steine pflastern seinen Weg, auch im Jahre 15 nach dem ersten „Glas, Steine, Scherben“-Spiel. Eine bemerkenswerte Staatstaktik: Man will den Gegner niederzwingen, füllt aber seine Munitionsbestände immer wieder auf. Zugegeben, niemand könnte dem auf Pflastersteine schwörenden Baugewerbe einen Vorwurf machen, wenn es dem 1. Mai Jahr für Jahr mit klammheimlicher Freude entgegensähe. Im Sinne des Urhordenfriedens wäre freilich flächendeckende Asphaltierung anzuraten. Teerbrocken sind nur mühsam aus der schwarzen Decke zu pullen, neigen zur Klebrigkeit und hinterlassen an Fingern hässliche Flecken. Das ist so gut wie ein Steckbrief.

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