Berlin : Tegel-Anwohner sehnen sich nach Stille

Nachtruhe wurde in drei Monaten über 50 Mal unterbrochen. Lärm-Demo vor Platzecks Privathaus geplant.

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Krach im Anflug. Von Pankow bis Spandau beschweren sich Anwohner. Foto: dpa
Krach im Anflug. Von Pankow bis Spandau beschweren sich Anwohner. Foto: dpaFoto: dpa

Tegel-Anwohner sind nur noch genervt: Während sich der Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von heute an darum kümmert, wie es zum Desaster in Schönefeld kommen konnte, interessiere sich niemand für die Tegeler, die seit mehr als vier Monaten ruhig schlafen können sollten, nun aber sogar noch mehr Verkehr ertragen müssten als zuvor – auch in der Nacht, klagt ein Anwohner, der nicht genannt werden will. Nach Angaben der Stadtentwicklungsverwaltung sind in den Monaten Juni, Juli und August 53 Flüge zwischen 23 Uhr und 23.59 Uhr genehmigt worden. Hinzu kommen die Post- und Regierungsflüge. Das Nachtflugverbot beginnt regulär um 23 Uhr.

Abhilfe ist nicht in Sicht. Auch im Winterflugplan mit einem meist reduzierten Verkehr wird es bei Nachtflügen bleiben. Lärmschutz können die Anwohner bis zur derzeit für den 27. Oktober 2013 geplanten Eröffnung des Flughafens in Schönefeld nicht erwarten. Möglicherweise versuchen Anwohner aber, sich eine Entschädigung einzuklagen. Auch die Fluglärmkommission kann nicht viel ändern. Sie musste den Nachtflugverkehr widerwillig akzeptieren, weil der Flughafen den Fluggesellschaften versprochen hatte, den für den neuen BER-Flughafen vorgesehenen Verkehr auch auf den alten Anlagen abwickeln zu können.

Laut wird es auch am heutigen Abend für Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) – falls er zu Hause ist. Die „Problem-BER-Kampagne Stahnsdorf“ und „Lärmwehr Berlin-Brandenburg“ will vor Platzecks Wohnung den kommenden Fluglärm am BER-Flughafen simulieren. Die Polizei hat zwischen 21 Uhr und 21.59 Uhr insgesamt sechs Beschallungen zu je drei Minuten mit maximal 85 Dezibel zugelassen. Ursprünglich wollten die Organisatoren nach 22 Uhr demonstrieren. In Brandenburg lässt die Polizei Demonstrationen vor den Wohnungen zu. In Berlin sind solche Vorhaben bisher stets abgelehnt worden; zuletzt beim Versuch, unmittelbar vor der Wohnung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) Fluglärm zu simulieren. Klaus Kurpjuweit

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