Tegel : Fluggäste im Stau

Tegel-Passagiere verpassen zunehmend Maschinen, weil sie sich durch zwei Großbaustellen verspäten.

Klaus Kurpjuweit

Jetzt ist die Lufthansa in die Luft gegangen: Zwei Großbaustellen auf den Zufahrtswegen zum Flughafen Tegel, die es zeitgleich noch mindestens bis Ende 2009 geben wird, führen dazu, dass immer mehr Passagiere ihre Flüge verpassen, klagte gestern Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber. Staugefährdet sind die Straßen nach Tegel an der Spandauer-Damm-Brücke in Charlottenburg und an der Ludwig-Hoffmann-Brücke an der Beusselstraße in Moabit. Dass wenige Jahre vor der Aufgabe des Flugbetriebs zwei Zufahrtsstraßen zum Flughafen zeitgleich blockiert sind, versteht Weber nicht.

Intern war die Entscheidung, gleichzeitig an den Brücken zu bauen, nach Tagesspiegel-Informationen auch bei den Planern umstritten. Es habe einen „schwierigen Abwägungsprozess“ gegeben, bestätigte die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Manuela Damianakis. Schließlich habe man sich aber für die Doppelbaustellen entschieden.

Da die Arbeiten an beiden Brücken, die abgerissen und neu gebaut werden, aus verschiedenen Töpfen vor allem mit Geld aus der Bundes- und der EU-Kasse finanziert werden, wären Fördergelder verfallen, wenn der Baustart verschoben worden wäre. Deshalb habe auch die Industrie- und Handwerkskammer (IHK) den Doppelbaustellen zähneknirschend zugestimmt, sagte Jochen Brückmann. Die Stadt und vor allem der Wirtschaftsverkehr seien auf intakte Verbindungen angewiesen. Deshalb könne man auf das Fördergeld nicht verzichten.

Die Spandauer-Damm-Brücke muss für 35 Millionen Euro neu gebaut werden, weil die alte Konstruktion marode war. Der Versuch, sie zu sanieren, war gescheitert. Die Ludwig-Hoffmann-Brücke wird im Auftrag des Wassserstraßen-Neubauamts für 5,2 Millionen Euro neu gebaut, damit größere Schiffe über den Westhafenkanal zum Westhafen schippern können. Der Ausbau ist das 17. Vorhaben bei den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit, die vom Bund nach der Einheit beschlossen worden waren.

Passagiere, die im Stau stecken und verspätet auf dem Flughafen eintreffen, verpassen in der Regel ihren Flug. Beim dichten Verkehr in Tegel könne man nicht auf zu spät kommende Fluggäste warten, sagte Weber. Dies würde den gesamten Flugplan durcheinander bringen. Spätestens eine halbe Stunde vor dem Abflug müsse man am Schalter sein; Passagiere, die auch Gepäck aufgeben, sollten eine Stunde vorher da sein. Da derzeit nicht zu kalkulieren sei, wie lange man im Stau stehe, solle man sehr früh aufbrechen, rät Weber den Passagieren. Klaus Kurpjuweit

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