Tegel : Katholischer Pfarrer unter Missbrauchsverdacht

Ein Pfarrer aus Berlin-Tegel sieht sich anonymen Missbrauchsvorwürfen ausgesetzt. Der Verdacht bezieht sich auf Vorfälle aus den 90er Jahren. Bis zum Abschluss der Untersuchungen wird der Geistliche nicht seelsorgerisch tätig sein.

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Die Kirchengemeinde erfuhr es nach der Messe. Kaum war in der Herz-Jesu-Kirche in Tegel am Sonntag der letzte Segen gesprochen, erhob Dompropst Stefan Dybowski das Wort. Pfarrer Stefan M., seit drei Jahren in der Kirchengemeinde tätig, stehe unter Missbrauchsverdacht. Ein anonymer Anrufer habe sich bei der Hotline der Deutschen Bischofskonferenz gemeldet und den Geistlichen beschuldigt, sagte Dybowski, der Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums. Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky habe eine Voruntersuchung eingeleitet und die staatlichen Behörden informiert. Der Geistliche selbst habe darum gebeten, „aus gesundheitlichen Gründen“ eine Auszeit zu nehmen. Er werde bis zum Abschluss der Untersuchungen nicht seelsorgerisch tätig sein.

„Für uns war das ein ziemlicher Schock“, sagt Bruno Dreher, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates. Der Pfarrer sei in der Gemeinde beliebt gewesen, Hinweise auf sexuellen Missbrauch habe man nie gehabt. Ähnlich äußert sich Stefan Förner, Pressesprecher des Erzbistums Berlin: Weil es ein anonymer Hinweis gewesen sei, habe niemand aus dem Erzbistum mit dem Informanten sprechen können. Die im Sommer erhobenen und im Herbst an das Erzbistum weitergeleiteten Vorwürfe bezögen sich auf ein Ereignis in den 90er Jahren, als Stefan M. Kaplan in Potsdam war. Von Februar 1996 an war der 1994 zum Priester geweihte Theologe dort unter anderem als Studentenseelsorger eingesetzt. Auf der Homepage der Universität Potsdam zeigt ein Foto aus dieser Zeit einen lachenden Priester mit Drei-Tage-Bart. Der damals 28-jährige Theologe war ab August 1997 in der Gemeinde Sankt Dominikus in der Gropiusstadt tätig. Später wechselte er nach Britz und ins vorpommersche Anklam, bevor er 2007 in Tegel anfing.

Sollten bei den Ermittlungen vertuschte Vorwürfe gegen den Berliner Priester ans Tageslicht kommen, könnte das auch für einen anderen unangenehme Folgen haben: Der heutige Weihbischof Matthias Heinrich arbeitete seit dem Jahr 2000 in der Personalabteilung des Erzbistums.

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