Berlin : Tegeler Hafen: Projekt gerät ins Schwimmen

Rainer W. During

Das Bauprojekt im Tegeler Hafen ist ins Stocken geraten. Beim Investor Rentaco, der hier, wie berichtet, eine Seniorenresidenz und auf dem Festland ein Gesundheitszentrum für insgesamt 120 Millionen Mark errichten will, spricht man von einer "Zurückstellung" Vorhabens. Gleichzeitig wies Unternehmenssprecher Eberhard Vogt Gerüchte zurück, das habe mit Liquiditätsengpässen bei anderen Seniorenresidenzen zu tun. Diese Vermutungen hatte Aufregung in der jüngsten Bezirksverordnetenversammlung verursacht.

Der Rentaco-Sprecher konnte gestern nicht sagen, ob der für das Frühjahr vorgesehene Baubeginn eingehalten wird. Einer der Gründe für den Aufschub sei die in Teilen noch "verhandlungsbedürftige" Erschließung des Areals. Außerdem wolle man noch das Gespräch mit der Bürgerinitiative suchen, die gegen die geplante Form der Bebauung protestiert.

Baustadtrat Michael Wegner (CDU) sagteauf Nachfrage, es gibt mit dem Bezirksamt "keine Probleme, die einen Bau- oder Bearbeitungsaufschub rechtfertigen würden". Für ihn sei das Argument von Rentaco "vorgeschoben". Eine kurz vor Sitzungsbeginn von der SPD eingebrachte große Dringlichkeitsanfrage war von der christdemokratischen Mehrheit in der BVV wegen nicht eingehaltener Fristen abgewiesen worden. SPD-Fraktionschef Wolfgang Brennecke bezeichnete das Verhalten der CDU angesichts des öffentlichen Interesses als "skandalös".

Zur Befürchtung der Reinickendorfer Sozialdemokraten, Rentaco könnte das vom Land erworbene Areal weiterverkaufen, um Geld in die Kasse zu bekommen, erklärte der Baustadtrat, das Grundstück gehe erst mit Bezahlung des Kaufpreises an das Unternehmen über. Auch ein Weiterverkauf sei derzeit nicht möglich. Keine Angaben wollte Rentaco-Sprecher Vogt zu Informationen des Tagesspiegels machen, nach denen sowohl die Seniorenresidenz als auch das Gesundheitszentrum bereits an Immobilienfonds weiterveräußert worden sind. Rentaco betreibt eigene Einrichtungen, tritt aber auch als Projektentwickler für andere Betreiber auf. Während die Bauträgergesellschaft beständig schwarze Zahlen schreibe, habe ein verändertes Marktverhalten bei der Erstbelegung der Residenzen zu einem Liquiditätsengpass in Höhe von rund 20 Millionen Mark geführt, bestätigte der Sprecher. Grund sei der starke Wettbewerb und das veränderte Verhalten der Interessenten. Hätten die Senioren die Wohnungen bis vor knapp einem Jahr noch "vom Papier weg" gemietet, würden sie jetzt auf die Fertigstellung warten, um das Objekt dann mit denen der Konkurrenz zu vergleichen.

Für die vorhandenen Mieter gebe es keinen Grund zur Besorgnis, erklärte Eberhard Vogt. In Abstimmung mit Banken und Investoren werde "Schritt für Schritt" ein Konsolidierungskonzept umgesetzt. Dazu gehörten das Ausscheiden des für die Residenzen zuständigen Vorstandsmitgliedes sowie die Allianz "mit einem großen, starken Partner", die zu Einsparungen unter anderem durch gemeinsamen Einkauf führen soll. Andere Berliner Projekte wie die für das Frühjahr geplante Eröffnung der Seniorenresidenz in in Spandau und der Umbau der McNair-Kaserne verzögerten sich nicht.

In Tegel ist auf der Insel eine drei- bis viereinhalbgeschossige Seniorenresidenz vorgesehen. Auf dem Festland sollen ein Gesundheits- und Schulungszentrum mit Ladenzeile, Gastronomie und Freizeitstätten sowie ein Boardinghouse entstehen. Ein maximal acht Stockwerke hohes Gebäude soll den Komplex dominieren. Vor der Humboldt-Bibliothek ist eine rund 2500 Quadratmeter große Piazza konzipiert. Die Reinickendorfer Grünen befürchten durch das Projekt eine Verschandelung des Tegeler Entrees.

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