Teil-Schließung : Franklin-Klinikum sperrt Schwangere aus

Die Geburtshilfe des Franklin-Klinikums in Steglitz wurde überhastet geschlossen. Rund 60 schwangere Frauen, die sich zuvor zur Entbindung angemeldet hatten, müssen sich um ein neues Krankenhaus kümmern.

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Das Universitätsklinikum Benjamin Franklin.
Das Universitätsklinikum Benjamin Franklin.Foto: ddp

Wenn die Geburt kurz bevorsteht, steht man nicht gern vor verschlossenen Türen. Aber genauso erging es Irene von Götz und mit ihr 60 anderen Frauen, die sich vor geraumer Zeit in der Geburtshilfe des Klinikums Benjamin Franklin angemeldet und darauf verlassen hatten, dass sie dort auch entbinden können – obwohl sie wussten, dass die Abteilung geschlossen wird. Was sie nicht wussten: dass es so schnell geht. „Noch am 30. Juni wurde uns versichert, dass alle angemeldeten Frauen wie vereinbart am Benjamin Franklin gebären könnten“, sagt Irene von Götz, deren Geburtstermin für den 15. Juli errechnet war. Am 3. Juli bekam die Familie einen Brief der Charité, der rückwirkend die Schließung der Geburtsstation zum 1. Juli bekanntgab und die Schwangeren an das Virchow-Klinikum oder die Charité in Mitte als Ausweichstandorte verwies. „Wir waren geschockt und vollkommen aufgelöst“, so von Götz. „Unsere Planung wurde über den Haufen geworfen. Man entscheidet sich ja aus bestimmten Gründen für ein Krankenhaus.“

Frauen brauchen zum Ende einer Schwangerschaft vor allem eins: Sicherheit. Denn kurz vor der Geburt sind sie körperlich und psychisch schwer belastet. Außerdem kann das Kind auch früher kommen. „Ärzte weisen immer wieder darauf hin, dass man sich frühzeitig um ein Krankenhaus kümmern soll, da man später keine Kraft mehr dazu hat“, sagt Irene von Götz. Genützt hat es wenig. Bei 30 Grad im Schatten ist sie ins Vivantes Auguste-Viktoria-Krankenhaus gefahren („gegen die Charité hegte ich natürlich einen Groll“), wo sie am 9. Juli ohne Komplikationen ihr zweites Kind zur Welt gebracht hat. Insgesamt haben rund 60 Frauen das Charité-Anschreiben erhalten.

Befragt man Ulrich Frei, den Ärztlichen Direktor der Charité, zu diesen Vorgängen, holt er zunächst weit aus. Seit langem schon habe die Geburtshilfe am Benjamin Franklin gewackelt. „Das Problem sind die sinkenden Geburtenzahlen in Steglitz“, sagt er. Während in Mitte jährlich rund 3300 und am Virchow 1900 Kinder geboren werden, seien es in Steglitz zuletzt nur noch 700 gewesen. Um die Qualität zu gewährleisten, müsse man die Standorte konzentrieren. Die Frauen- und Kindermedizin ist seit den 90er Jahren vor allem am Virchow-Klinikum angesiedelt. Das Benjamin Franklin soll perspektivisch zum „Krankenhaus der zweiten Lebenshälfte“ werden, wie Frei es nennt, wo vor allem Krankheiten älterer Menschen behandelt werden. Die Schließung der Geburtshilfe soll demnach nicht als ein erster Schritt zur Aufgabe des Klinikstandorts in Steglitz verstanden werden.

Doch musste deshalb die Steglitzer Geburtshilfe derart überhastet geschlossen werden? „Wir bedauern sehr, dass es zu diesen Problemen kam“, sagt Frei. Eigentlich sei die Schließung zum 1. August geplant gewesen, aber nach der Entscheidung des Senats, das Benjamin Franklin als Charité-Standort zu erhalten, hätten sich die Personalprobleme in der Abteilung drastisch verschärft, da mehrere Fachärzte gleichzeitig das Haus verlassen hätten. Warum Müttern wie Irene von Götz trotzdem noch am 30. Juni versichert wurde, dass sie in Steglitz gebären könnten, weiß Frei allerdings nicht zu sagen.

Die Schließung der Geburtshilfe will Lars Oberg, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, nicht kritisieren. „Wir machen der Charité harte Auflagen und können uns nicht beschweren, wenn sie diese umsetzt. Aber wir erwarten in so einem sensiblen Bereich einen längeren Vorlauf.“ Die Opposition sieht es ebenso. Heidi Kosche, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen: „Wir begrüßen die Zentrenbildung. Aber so eine Hauruck-Aktion nach dem Motto: Jetzt fährste mal in den Wedding – das ist eine Unverschämtheit.“

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