Berlin : Teile und baue

Über die dubiose Finanzierung des Stadionausbaus in Cottbus – und warum jetzt die Staatsanwaltschaft ermittelt

Holger Wild

Die sportlichen Sorgen des abstiegsbedrohten FC Energie Cottbus sind noch lange nicht gelöst, da rückt nun auch der Stadionausbau wieder ins Zwielicht. Wie gestern in einem Teil der Auflage gemeldet, hat die Staatsanwaltschaft Cottbus Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen; der Verdacht richtet sich auf versuchten Subventionsbetrug: Die hochverschuldete Stadt habe sich den Stadionausbau unrechtmäßigerweise vom Verein teilfinanzieren lassen.

Nach Angaben der Sprecherin der Staatsanwaltschaft Cäcilie Cramer-Krahforst werden gegenwärtig Unterlagen der Stadtverwaltung zur Finanzierung des Umbaus geprüft. Der Verdacht richte sich dabei gegen Mitarbeiter der Stadt – nicht gegen den Verein. Gleichwohl könnten die Ermittlungen auch Energie Cottbus in Schwierigkeiten bringen: Würden aufgrund der Ermittlungen EU-Subventionen für das – stadteigene – Stadion der Freundschaft zurückgefordert, wäre dessen Ausbau nicht finanzierbar.

Rund neun Millionen Euro hatte die EU Anfang 2001 wegen der „grenzüberschreitenden Bedeutung“ des neuen Stadions – in dem dann auch kulturelle Großveranstaltungen stattfinden könnten – bewilligt. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Stadt Cottbus und der Verein FC Energie sich den nötigen Eigenbeitrag teilen und jeweils 1,5 Millionen Euro zahlen. Das Brandenburger Wirtschaftsministerium wies jedoch darauf hin, dass die Förderrichtlinien nicht zuließen, dass sich eine Kommune ihren Eigenbeitrag ganz oder teilweise von Dritten erstatten lässt.

Die Staatsanwaltschaft aber prüft jetzt, ob es dennoch Zahlungen des Vereins an Cottbus gab, die einer verdeckten Refinanzierung des städtischen Anteils gleichkommen.

Dabei ist unbestritten, dass es eine Verabredung zwischen Stadt und Verein gab, die eine Beteiligung des FC Energie an den Gesamtkosten des Ausbaus vorsah. Der SPD-Stadtverordnete Volker Thummerer hat die entsprechenden Akten der Stadt eingesehen: Der Verein sollte Ausgaben übernehmen, die ohnehin „nicht förderfähig“ sind: Planungs- und Projektierungskosten. 600 000 Euro sollte der Verein dafür zahlen; der Förderantrag sei entsprechend geändert worden und das Wirtschaftsministerium habe dies auch nicht beanstandet. 180 000 Euro beglich der Verein, der Rest wurde mit ausstehenden Forderungen gegen die Stadt verrechnet.

Über weitere 900 000 Euro – als Differenz der 600 000 zu den ursprünglich vereinbarten 1,5 Millionen Euro – gibt es Thummerers Wissen nach keine schriftlichen Unterlagen. Möglicherweise sucht die Staatsanwaltschaft danach. Geplant war offenbar, diese Summe als eine Art Vorauszahlung auf die Nutzungsgebühren für das Stadion zu erheben. Doch bisher zahlte der FC Energie nicht, der in Folge der Kirch-Krise ebenfalls in Geldnot steckt.

Stattdessen hat Cottbus auch diese 900 000 Euro noch aufgebracht. Die Summe sei „aus verschiedenen Etats zusammengestückelt worden“, so Rathaussprecher Peter Lewandrowski. Er hält den Ausbau daher ebenso wie Thummerer für „legal ausfinanziert“. Das neue Stadion der Freundschaft soll im August fertig werden.

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