Berlin : Telefonfirma steckt den Linden Lichter auf

Auf dem Mittelstreifen wird eine Eisbahn gebaut

Holger Wild

Während die Weihnachtsbeleuchtung des Kurfürstendamms dieses Jahr ausfallen könnte, weil immer noch Geld fehlt, werden Unter den Linden schon Lichterketten an die Bäume gehängt. Hier bezahlt nicht die Gemeinschaft der ansässigen Geschäftsleute den Winterglanz, sondern das Telekommunikationsunternehmen Vodafone – und legt außerdem auf dem Mittelstreifen eine Eisbahn an, auf der das Unternehmen Werbung für sich macht. Am Ku’damm dagegen müssen die Anlieger noch weitere 60 000 Euro aufbringen, damit die rund 300 000 Euro teure Licht-Installation finanziert werden kann.

Initiator der Linden-Beleuchtung ist nach Angaben der Baustadträtin von Mitte, Dorothee Dubrau, der Geschäftsführer des Restaurants „Lindenlife“ gegenüber der Russischen Botschaft, Stephan Vogel. Vor dessen Gaststätte wird auch die Eisbahn entstehen; die Arbeiten dafür laufen bereits. Auf dreißig Metern wird der Mittelstreifen der Linden auf fast ganzer Breite mit Eis bedeckt werden – worüber Dubrau gar nicht glücklich ist: „Das ist wieder ein Schritt zur Verslumung des Mittelstreifens“, klagt sie. „Dabei haben wir inzwischen mit der Firma Wall – die die Kioske auf dem Mittelstreifen verpachtet – eine Übereinkunft erzielt, dass sie den Streifen sauber hält. Jetzt kommt da eine Eismaschine hin, Getränke werden wahrscheinlich auch verkauft, und es gibt einen Schlittschuhverleih“ – sehr viel Trubel, den Dubrau für unvereinbar mit dem Charakter der Straße hält.

Außerdem verstoße die Bahn mit ihrer Reklame gegen das „Lindenstatut“, eine vom Senat erlassene Gestaltungssatzung, die übermäßig große Werbung an dieser Straße verbietet. Dubrau wollte die Eisbahn daher an dieser Stelle nicht genehmigen und schlug stattdessen die Ecke Friedrichstraße/Unter den Linden vor. „Doch das wollte Vogel nicht und hat sich stattdessen an den Stadtentwicklungssenator gewandt.“ Und Peter Strieder erkannte auf die „außergewöhnliche städtische Bedeutung“ des Vorhabens, wie seine Sprecherin Petra Reetz sagt, zog die Sache an sich und genehmigte die Eisbahn.

„Sonst hätte es die Beleuchtung der Bäume nicht gegeben“, begründet Reetz den Eingriff des Senator. „Eine Eisbahn allein hätten wir nicht genehmigt.“ Die Werbung widerspreche auch nicht dem Lindenstatut, da sie sich nur auf dem Eis und an den Innenseiten der Banden befinde. Die Bahn soll dem Vernehmen nach am Mittwoch eröffnet werden – dem Buß- und Bettag. Die Beleuchtung der Bäume übrigens, die werde besonders schön sein, verspricht Reetz. Leuchtkabel werden im Dunkeln die Stämme und Äste aller Bäume nachzeichnen. Holger Wild

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