Berlin : Teles-Chef Sigram Schindler

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Sein Spagat zwischen der Wissenschaft und seinem Unternehmen dauert nun schon 22 Jahre – und er scheint ihn jung zu halten. Seit 1998 ist die Teles AG an der Börse notiert. Weg und Kurse des Berliner Unternehmens haben Höhen und Tiefen gesehen. Aber nie, sagt der dynamische und erfolgsbesessene TUProfessor für Betriebs- und Kommunikationssysteme und Vorstandschef, hat es Finanzierungsprobleme gegeben. Allein der Börsengang hat 50 Millionen Euro in die Kasse gespült. Aber der Stab der Mitarbeiter schwankt kräftig.

Nach der Gründung mit vier jungen Wissenschaftlern waren sie bald schon 35. Vor wenigen Jahren zählte das Unternehmen fast 1000 Mitarbeiter und jetzt, nach dem Verkauf der Tochter Strato AG, sind es noch 240. Schindler konzentriert sich auf Felder, bei denen „Schlüssel-Patente“ hohe, stabile Margen über wenigstens zehn Jahre erlauben. Die viel versprechenden zwei Felder für die nächsten Jahre: Drahtloser Breitband-Internet-Zugang und Internet-Telefonie. Alles andere haben sie als Ballast abgeworfen. Mit den beiden Kernen soll es in den nächsten Jahren wieder kräftig nach oben gehen mit Wachstumsraten von bis zu 100 Prozent im Jahr. Er weiß, das klingt vielen abenteuerlich, aber Sigram Schindler glaubt an den Erfolg.

Wer seinen Lebensweg kennt und seine unternehmerischen Augen unter den buschigen weiß-grauen Brauen sieht, seine lebendige Mimik, der glaubt ihm das. Als Kind hat er die Flucht aus dem damals deutschen Lodz – Litzmann- stadt – „auf den letzten Panzern“ miterlebt. Dann den furchtbaren Angriff auf Dresden und später die feindliche Aufnahme der Deutsch nur mit polnischem Akzent sprechenden Flüchtlinge in Bayern. Und lange bittere Armut.

Nach einem schwierigen Weg des rebellischen hochbegabten Jungen bis zum Abitur in Bamberg ging es 1956 nach Berlin. SDS und RAF streiften den später sich als „strammen Sozialdemokraten“ bezeichnenden Studenten. Vieles hat er mal ausprobiert. Auch mal Maschinenbau, Physik und dann Mathematik – 20 Semester lang! Das Geld brachten seine Jobs als Reiseleiter. Die eigentlichen Sporen und das Ansehen hat er sich dann mit dem Aufbau der Informatik in Deutschland und an der TU verdient.

Amerika war da führend und wenn seine damalige große Liebe mitgemacht hätte, er wäre auch ganz dorthin gegangen. Geheiratet hat er erst vor vier Jahren, eine Volkswirtin, die er schon 40 Jahre kannte. Für andere Frauen hat er, so vermutet er, einfach immer zu viel gearbeitet. In ihrem großzügigen Haus auf Schwanenwerder lässt sich das heute wohl besser ertragen.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Sigram Schindler (69), ordentlicher

Professor für Betriebs- und Kommunikationssysteme an der Technischen Universität Berlin und Vorstandsvorsitzender der

Teles AG.

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