Berlin : Tempelhof: 1000 Stellen versprochen

Klinik-Investoren warten auf den Wettbewerb des Bundes für die Nachnutzung des Flughafengebäudes

Klaus Kurpjuweit

Die Zukunft des Flughafengebäudes in Tempelhof wird in einer Ausschreibung entschieden. Darauf bereitet sich auch die amerikanische Gruppe Central European Development (CED) vor, die in einem Teil des Gebäudes eines der „modernsten ambulanten Gesundheitszentren der Welt“ schaffen will. Dort sollen nach Angaben eines Sprechers im Wesentlichen gesetzlich versicherte Patienten versorgt werden. Bisher hieß es, am Flughafen sei eine Luxusklinik geplant. CED will nach eigenen Angaben über 1000 Arbeitsplätze schaffen. Das Interesse gelte einer an den Flughafen angeschlossenen Immobilie. Dieses „Alleinstellungsmerkmal“ finde sich nirgends in der Welt. Weitere Angaben gab es nicht, „um den Gesprächen mit den Behörden nicht vorzugreifen“.

Als „interessantes Projekt“ bezeichnet der Sprecher der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Klaus Christl, die Idee aus den Vereinigten Staaten. Mehr könne man dazu derzeit nicht sagen. Denn was in Zukunft mit dem Gebäudekomplex geschehen werde, entscheide sich erst nach einem so genannten Interessenbekundungsverfahren, das noch nicht initiiert ist. In diesem Verfahren könnten Interessenten ihre Konzepte für die weitere Nutzung des Gebäudes einreichen. Entwickelt würden die Vorgaben nur gemeinsam mit Berlin, sagte Christl. Und der Senat will den Flugbetrieb am 31. Oktober 2007 beenden.

Das CED-Konzept sieht dagegen eine beschränkte Weiternutzung von Tempelhof durch kleinere Geschäftsflugzeuge vor. An Linienverkehr ist nicht gedacht. Der CED-Sprecher betonte, dass das Projekt den Ausbau des Flughafens in Schönefeld zum Airport Berlin-Brandenburg International (BBI) nicht gefährden solle. Der neue BBI-Flughafen sei für die Region „zwingend erforderlich“.

Am 19. Dezember verhandelt das Oberverwaltungsgericht mehrere Klagen von Fluggesellschaften gegen die Schließung. Bleibt es dabei, muss eine Nutzung ohne Flugverkehr gefunden werden. Ob CED dann weiter Interesse an Tempelhof hätte, war gestern nicht zu erfahren. Erste Untersuchungen haben wie berichtet gezeigt, dass eine wirtschaftliche Nutzung auch ohne Flugbetrieb möglich sein kann. Nach Ansicht von CED hat die Kombination von Gesundheitszentrum und Flugbetrieb eine „internationale Strahlkraft“. Die historisch bedeutungsvolle Immobilie widerspiegele die wechselhafte Geschichte Berlins und Deutschlands. Seit er von der geplanten Schließung Tempelhofs erfahren habe, verfolge der Initiator des Projekts, der 62-jährige Fred Langhammer, das Ziel, ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept zu entwickeln und den denkmalgeschützten Flughafen Tempelhof zu erhalten.

Langhammer arbeitete von 1975 bis 2004 für das amerikanische Unternehmen Estée Lauder. Von 2001 bis 2004 war er Vorstandsvorsitzender. Mit seiner Vision für Tempelhof habe er seinen langjährigen Geschäftspartner Ronald Lauder als Mitfinanzier gewinnen können.

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