Tempelhof : Abschied eines traurigen Piloten

Der Berliner Bühnenautor und Pilot Horst Pillau sagt "Adieu Tempelhof". Den letzten Tag des Flughafens hatte er sich, ganz persönlich, anders vorgestellt. Doch der Andrang hätte ihm vermutlich einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Christian van Lessen
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Horst Pillau -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Horst Pillau, Bühnenautor und seit 52 Jahren aktiver Pilot, hat schon ganz persönlich Abschied genommen. „Eine sehr schmerzliche Sache“, sagt er, „ein Teil meines Lebens geht zu Ende.“ Das klingt bitter. Den letzten Abflug mit seiner Sportmaschine machte er vor 14 Tagen, Richtung Schönhagen. Gern wäre Pillau am letzten Tag geflogen, am 30. Oktober, aber da haben sich schon 400 Flugzeuge angemeldet. Tempelhofs Schließung sei ein Wahnsinn, sagt er am Sonnabend, der Senat habe den Flughafen in den Ruin getrieben. „Aber ich habe damit abgeschlossen.“ So einfach ist das für einen passionierten Tempelhof-Fan aber nicht.

Am Nachmittag lädt er gestern mit dem Schauspieler Hans-Jürgen Schatz zu einer Lesung ins Renaissance-Theater. Das Motto: „Adieu Tempelhof“ . Es geht wehmütig, aber auch heiter zu. Pillau erinnert daran, dass der berühmte Architekt Norman Foster Tempelhof als den Flughafen aller Flughäfen bezeichnet hat, erinnert sich an die Zeit der Luftbrücke, „als ich mehr in den Himmel als zum Boden blickte“. Hans-Jürgen Schatz liest aus Pillaus heiterem Blockade- Roman „Der Kaiser von Neukölln“, einem Gastwirt unter der Einflugschneise. Es geht um viele Flieger- und Fluggeschichten, gelesen werden auch Kapitel aus dem Roman „Der Märchenpilot“. Das Publikum, das Tempelhof nachtrauert, fühlt sich wie durch Lüfte getragen, Pillau und Schatz sind wie Piloten im Cockpit, die trotz aller fröhlicher Episoden auf eine harte Landung mit brutaler Wahrheit zusteuern: Das Ende des Flughafens Tempelhof. Der sei so wohltuend weltstädtisch, sagt Pillau und erinnert an London, das stolz auf seinen Stadtflughafen ist. Der Autor blickt aber auch ins Jahr 2014, wo „Bundeskanzler Klaus Wowereit“ – höhnischer Beifall im Publikum – im Hubschrauber übers einstige Rollfeld fliegt, sich über leerstehende Wohnungen grämt und alte Entscheidungen bereut.

Den letzten Tag des Flughafens hatte er sich, ganz persönlich, anders vorgestellt: Mit einem letzten Start voller Wehmut und Wut im Bauch. Vermutlich wäre er wegen des Andrangs gar nicht mehr rechtzeitig in die Luft gekommen, hätte sein Flugzeug demontieren müssen. Das wäre noch trauriger gewesen.

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