Tempelhof : Am Flughafen heben Mieten nicht ab

Ende Oktober schließt der Flughafen Tempelhof. Makler sehen schon jetzt marktgerechte Preise

Klaus Kurpjuweit

Gefeiert wird in Tempelhof heute nicht. Exakt vor 85 Jahren, am 8. Oktober 1923, wurde der Flughafen eröffnet, doch angesichts der Schließung Ende des Monats geht das Jubiläum unter. Das Aus wird, wie berichtet, am 30. Oktober nur von geladenen Gästen, zu denen auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gehören wird, begleitet. CDU und FDP haben gestern erneut ein öffentliches Fest gefordert.

Ganz wird sich aber auch die Flughafengesellschaft nicht aus Tempelhof zurückziehen. Sie bewirtschaftet das Gebäude mit 38 Mitarbeitern weiter, bis der Bund oder Berlin diese Aufgabe europaweit ausschreiben werden. Neun Feuerwehrleute sichern zudem den Brandschutz in dem Gebäude vorläufig weiter.

Unklar ist dagegen, was auf die Mieter und Wohnungsbesitzer in der Umgebung des Flughafens zukommt. Grundsätzlich sei damit zu rechnen, dass die Mieten steigen, hat ein Gutachten ergeben. Profitieren könnten umgekehrt die Besitzer von Eigentumswohnungen. Bei einem Verkauf könnten sie nach dem Aus für den Flughafen bei einem Verkauf ihrer Immobilien höhere Preise erzielen. In der Berliner Immobilienbranche sieht man die Studie allerdings skeptisch.

Der Flugbetrieb in Tempelhof habe dazu geführt, dass es innerhalb der Einflugschneisen „signifikante Preisabschläge“ in Höhe von fünf bis neun Prozent gegenüber den Bereichen außerhalb des Flugverkehrs gebe, hat die an der Universität Hamburg erstellte Studie ergeben. Immobilienexperten in der Stadt beurteilen die künftige Entwicklung bei den Immobilien differenzierter. Um den Flughafen herum sei nicht damit zu rechnen, dass die Mieten nach oben schnellen, hieß es bei mehreren Maklern. Dort seien die Preise schon jetzt „marktgerecht“, weil die meisten Mieter den Fluglärm in Kauf genommen hätten.

Weiter weg vom Flughafen dagegen, etwa in Friedenau oder auch in Zehlendorf, wo die Flugzeuge am Himmel deutlich zu hören sind, könnten die Mieten ohne Fluglärm steigen, bestätigen hiesige Kenner die Studie aus Hamburg. Die Entwicklung hinge aber insgesamt von so vielen Faktoren ab, dass sich bei steigenden Mieten ein Zusammenhang mit dem Ende des Flugverkehrs nur schwer nachweisen lasse. Auch Manfred Hermann von der Bürgerinitiative für ein flugfreies Tempelhof glaubt nicht, dass die Mieten am Flughafen vom Flugbetrieb abhängen. Der Fluglärm habe auch in der Vergangenheit bei den Mieten kaum eine Rolle gespielt. So sei ein Mieter an der Oderstraße in Neukölln, der seine Miete wegen des Krachs vom Flugfeld mindern wollte, vor Gericht mit seinem Anliegen gescheitert. Klaus Kurpjuweit

Countdown für Tempelhof – unsere tägliche Serie bis zum 30. Oktober. Morgen lesen Sie: Wie Tempelhof das Ziel von entführten Flugzeugen wurde.

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