Berlin : Tempelhof: Atempause für Krupp-Arbeiter: keine Werksschließung

Ole Töns

Das Aus für die rund 190 Beschäftigten des Krupp-Stahlbauwerkes in der Bergholzstraße ist vorerst abgewendet. Für ein Jahr, so verkündeten Vertreter von Betriebsrat und IG-Metall gestern in der Montagehalle des Stahlbauwerkes zum neusten Übereinkommen mit der Konzernleitung, soll der Standort die Chance bekommen, schwarze Zahlen zu erwirtschaften.

Wenn es zudem gelingt, einen Käufer für das Werk zu finden, geht es weiter, sonst aber droht das Ende mit einem Jahr Verzögerung. Dies ist nach den Worten des Betriebsratsvorsitzenden des Gesamtkonzerns ThyssenKrupp, Thomas Schlentz, zwar als Erfolg zu werten. Doch die eigentlich von der Belegschaft erhoffte Bewährungszeit von zwei Jahren sei nicht erreicht worden. Zudem lässt die Übereinkunft nach Auskunft des IG-Metall-Bevollmächtigten Arno Hagen zu, dass die Belegschaft um 45 Personen verringert wird. Ein Sozialplan soll allerdings sicherstellen, dass niemand in die Arbeitslosigkeit entlassen werden muss. Erst am 26. Juni hatte die Konzernleitung ihre Absicht verkündet, das Tempelhofer Werk Ende September bis auf einen Restbestand von etwa 35 Leuten zu schließen. Es gäbe keinen Markt in Berlin für die Produkte des Werkes, so die Begründung laut Betriebsrat Karl Köckenberger.

Mit einem Autokorso zum Regierenden Bürgermeister und einer außerordentlichen Betriebsversammlung auf der Baustelle der Modersohn-Brücke in Friedrichshain, der vermutlich letzten von Krupp Stahlbau Berlin fertig gestellten Brücke, machten die Krupp-Arbeiter auf die drohende Schließung aufmerksam. Zudem bot die Belegschaft dem Konzern an, im Falle einer Sanierung des Standortes, im kommenden Jahr auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu verzichten.

Zwischenzeitlich hatte die Konzernspitze nach Darstellung des Betriebsrates sogar versucht, die aktuelle Produktion eines BMW-Messepavillons für die Internationale Automobilausstellung zu stoppen und fertige Teile abtransportieren zu lassen. Die Belegschaft verhinderte dies, indem sie die Ausfahrten blockierte.

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