Berlin : Tempelhof bleibt auf Jahre ein Verlustbringer

Flughafen wird jährlich zehn bis 14 Millionen Euro Defizit verursachen Zahlen muss je nach Entscheidung die Flughafengesellschaft oder der Bund

Klaus Kurpjuweit

Der Flughafen Tempelhof bleibt ein teures Objekt – mit oder ohne Flugbetrieb. Bis ein tragfähiges Konzept für die weitere Nutzung gefunden ist, verschlingt die Anlage weiter jährlich zehn bis knapp 14 Millionen Euro. Je nach Nutzung gibt es aber unterschiedliche Finanziers, die das Defizit ausgleichen müssen. Rechtlich könnte der Flugbetrieb in der bisherigen Form so lange weitergehen, bis der ausgebaute Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld nach der Eröffnung ein halbes Jahr lang bewiesen hat, dass er funktioniert.

Selbstverständlich ist das nicht, wie zuletzt Bangkok gezeigt hat. Dort hat man vor fünf Monaten einen neuen internationalen Flughafen eröffnet und musste vor wenigen Tagen wieder die alte Anlage reaktivieren. Die neue Anlage ist wegen Rissen auf einer Startbahn und den Rollfeldern nur eingeschränkt nutzbar.

Würde Tempelhof so lange in Betrieb bleiben, müsste die Flughafengesellschaft weiter die Kosten übernehmen, die nach ihren Angaben bei etwa zehn Millionen Euro im Jahr liegen. Auf dem einstigen Zentralflughafen werden derzeit durchschnittlich lediglich knapp 900 Passagiere pro Tag abgefertigt.

Weil die Flughafengesellschaft dieses Defizit nicht länger ausgleichen will, wollte sie den Flughafen vorzeitig schließen lassen. Den Termin 31. Oktober 2008 hat das Oberverwaltungsgericht für zulässig erklärt. Ursprünglich sollte der Flugbetrieb noch ein Jahr früher enden; die Luftfahrtbehörde und die Flughafengesellschaft hatten aber auf Anregung des Gerichts die Frist um ein Jahr verlängert.

Würde der Flugbetrieb über diesen Termin hinaus fortgesetzt, wie es die Investoren um das amerikanische Unternehmen CED und die Bahn AG fordern, würden der Flughafengesellschaft bis zur vorgesehenen Inbetriebnahme von BBI im Herbst 2011 mindestens weitere 30 Millionen Euro fehlen, die aber für die BBI-Finanzierung eingeplant sind.

Die Bahn AG wiederum, die den Betrieb in eigener Regie übernehmen will, steigt nur ein, wenn sicher ist, dass CED den Zuschlag für das geplante Gesundheits- und Kongresszentrum bekommt und ein Betrieb für Geschäfts- und Privatflugzeuge auf Dauer möglich bleibt.

Dazu müsste aber das Ende aller Klageverfahren in Schönefeld abgewartet werden, was noch Jahre dauern kann. Erst dann könnte der Landesentwicklungsplan so geändert werden, dass Tempelhof zu einem Sonderflughafen für Geschäfts- und Privatmaschinen wird. Würde man das Verfahren früher starten, wäre nach Ansicht der meisten Juristen nämlich die Ausbaugenehmigung für BBI gefährdet.

Wird der Flughafen aber Ende Oktober 2008 endgültig geschlossen, fällt der größte Teil des Gebäudes an den Bund zurück, von dem es die Flughafengesellschaft derzeit gepachtet hat. Dann muss der Bund die Unterhaltungskosten übernehmen, die angeblich bei 13,7 Millionen Euro im Jahr liegen – für ein dann weitgehend ungenutztes Gebäude. Dass Tempelhof frühzeitig geschlossen werden soll, wussten alle Beteiligten seit 1996. Doch erst jetzt kümmern sie sich um ein Nachnutzungsmodell. So bleibt Tempelhof auf Jahre ein Verlustbringer – mit oder ohne Flugbetrieb.

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