Tempelhof : Die Investoren suchen das Weite

Der Senat beharrt auf der Schließung des Flughafens in Tempelhof, doch Nutzungskonzepte fehlen. Nach dem Aus für das Projekt eines Klinikzentrums steht der Senat nun in der Kritik.

Rainer W. During,Ulrich Zawatka-Gerlach
Die Investoren suchen das Weite
Tempelhof: Nach dem Aus für das Projekt eines Klinikzentrums ist die Zukunft des Flughafens völlig unklar. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Nach der Deutschen Bahn haben sich jetzt auch die US-Investoren Fred Langhammer und Ronald S. Lauder vom Tempelhof-Projekt zurückgezogen. Mit ihrer Firma Central European Development (CED) wollten sie das denkmalgeschützte Flughafengebäude für 350 Millionen Dollar in ein internationales Klinikzentrum umbauen und den Flugbetrieb – eingeschränkt auf Businessjets – fortsetzen. „Wir sind der festen Überzeugung, dass es möglich wäre, den Landesentwicklungsplan entsprechend zu ändern“, sagte gestern ein Firmensprecher. Doch auf Seiten des Senats habe „überhaupt kein Interesse“ bestanden, eine Lösung zu finden.

Die Investoren haben ihre Absage in einem offenen Brief mitgeteilt. Senatssprecher Michael Donnermeyer sagte dazu gestern, dass der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit offene Briefe grundsätzlich nicht beantworte. Außerdem sei zum Thema Tempelhof inzwischen alles gesagt. „Wir hatten Herrn Lauder eingeladen, sein Konzept ohne Flugbetrieb zu verwirklichen, gehen jetzt aber davon aus, dass er auch das nicht will.“ CDU-Fraktionschef Friedberg Pflüger bezeichnete die Absage hingegen als „eine schallende Ohrfeige für Wowereit“. Dieser trage mit seiner „absolut unakzeptablen Art gegenüber wohlwollenden Investoren“ die Verantwortung dafür, dass der Stadt 350 Millionen Euro und 1000 Arbeitsplätze entgangen seien.

Auch die Industrie- und Handelskammer erneuerte ihre Kritik am Senat. „Es kommt auf den Zungenschlag an, wie Berlin von außen wahrgenommen wird“, sagte der Sprecher der Industrie- und Handelskammer, Holger Lunau. Ein derartiges, „beinahe rüpelhaftes“ Verhalten gegenüber Investoren sei dem Wirtschaftsstandort nicht zuträglich. Dirk Kühnau, Chef der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, befürchtet nun, dass die „Chancen auf neue Interessenten weiter sinken“. Zu finanzstarken Investoren gebe es aber keine Alternative, sagte Kühnau gestern.

Dem Bund gehören über 80 Prozent des Flughafengebäudes. Den aus den 30er Jahren stammenden Komplex vermietbar zu machen, kostet für jeden der 290 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche 3500 Euro. Die daraus resultierende Miethöhe wäre am Markt nicht konkurrenzfähig, so Kühnau. Selbst wenn man alles so ließe, wie es ist, entstünden jährliche Unterhaltungskosten von 6,3 Millionen Euro. Es wird bereits laut darüber nachgedacht, die Immobilie komplett dem Land Berlin zu schenken.

Franziska Eichstädt-Bohlig, Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus, warf dem Senat bei einer Diskussionsveranstaltung am Montagabend „große Fehler“ vor. Wowereit habe das Thema „nach Gutsherrenart“ behandelt, statt inhaltlich Stellung zu nehmen. Denn es gebe „ganz sachliche Argumente“, das Konzept abzulehnen. Da rechtlich nicht eindeutig geklärt sei, ob ein Weiterbetrieb des Flughafens zulässig ist, müsse man den Bürgern „konkret vorrechnen, dass sich ein Geschäftsflughafen auf dem Riesenareal nicht rechnet“. Wer die Schließung von Tempelhof verlange, sei den Bürgern auch eine Antwort darauf schuldig, wie es mit den Brandenburger Flughäfen in Eberswalde-Finow und Neuhardenberg weitergehen solle, sagte Eichstädt-Bohlig.

Der Bundestag wird am 5. Juli auf über die Zukunft des Flughafens Tempelhof diskutieren. Grundlage ist ein fraktionsübergreifender Gruppenantrag von über 100 Abgeordneten.

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