Tempelhof : Ein offenes Feld für große Ideen

Der Senat zieht das Planungsrecht für die Nachnutzung an sich. Nun werden Konzepte für die „Tempelhofer Freiheit“ gesucht.

Rainer W. During
Tempelhof
Flughafengebäude: "Bundeseigene Nutzung zu vertretbaren Kosten" angestrebt. -Foto: AFP

Der Senat hat das Planungsrecht für die Nachnutzung des Flughafens Tempelhof an sich gezogen. Die Landesregierung beschloss gestern, wegen der „außergewöhnlichen stadtpolitischen Bedeutung“ den drei Bezirken Tempelhof-Schöneberg, Kreuzberg-Friedrichshain und Neukölln die planerische Verantwortung zu entziehen. Der Senat will den Flugbetrieb in Tempelhof zum Oktober 2008 einstellen. Keine andere Metropole Europas stehe vor einer vergleichbaren Herausforderung, mitten in der Stadt Freiflächen von dieser Größe für Zukunftsinvestitionen zu entwickeln, erklärte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Man dürfe „keine Angst vor großen Räumen und großen Flächen“ haben, hatte Junge-Reyer am Montagabend auf einer Veranstaltung des Vereins Berliner Wirtschaftsgespräche über alternative Nutzungskonzepte für den Flughafen Tempelhof erklärt.

 Es sei „eine unglaubliche Herausforderung", inmitten der Stadt die „Tempelhofer Freiheit“ zu haben, „neue Ideen zu finden“, sagte Junge-Reyer. Hier könnten beispielsweise Gewerbe angesiedelt werden, „die es an anderer Stelle noch nicht gibt“. Tempelhof sei als Standort für Wissenschaft und Forschung, Medienwirtschaft und Kultur geeignet. Weil das nicht „in drei oder vier Jahren“ erreicht werden könne, gelte es zunächst, auch kleinteilige Zwischennutzungen zu finden.

Wenn der Flughafen, wie vom Senat geplant, Ende Oktober nächsten Jahres geschlossen wird, sind Lösungen dringend gefragt. Man dürfe sich „von den Zahlen nicht schrecken lassen“, sagte Senatorin Junge-Reyer. Zuvor hatte Dirk Kühnau, Vorstandsmitglied der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die den Bundesanteil des Flughafens verwaltet, auf die immensen Unterhaltungs- und Sanierungskosten verwiesen. Angaben dazu, wie sich die Projekte angesichts leerer Landeskassen finanzieren lassen, machte die Senatorin nicht. Zumindest seien bei den Haushaltsanmeldungen Mittel für „planerische Vorleistungen“ eingestellt worden. Gespräche mit Interessenten würden geführt und im Internet-Dialog zur Nachnutzung des Flughafens seien immerhin bereits 500 Vorschläge eingegangen. Doch zunächst einmal sollen „die Menschen ein Stück dieser Fläche zurückerobern“, sagte Junge-Reyer. Deshalb soll es noch unter laufendem Flugbetrieb eine Möglichkeit zur Begehung geben.

Grünen-Fraktionschefin Franziska Eichstädt-Bohlig warnte davor, bereits vorhandene Wissenschaftsstandorte wie Adlershof durch Schaffung einer Konkurrenz in Tempelhof zu gefährden. Auch müsse die Entwicklung des Hauptbahnhof-Umfeldes Vorrang haben. Auf den Freiflächen des Flughafens möchte sie keinen Park anlegen, sondern sieht die Chance, ein kulturelles Highlight „bisher nicht da gewesener Dimension“ für junge Menschen zu schaffen. Die Loveparade und Skatefahrer könnten über die Startbahnen rollen, daneben kann sie sich einen Campingplatz für internationale Jugendtreffen vorstellen. Und bei Konzerten dürfte es hier „richtig laut werden“.

In anderen Bereichen könnte eine autofreie Wohnsiedlung entstehen. Für das Flughafengebäude gelte es, „relativ zügig“ Ideen und Konzepte zu entwickeln. Hier sei eine „bundeseigene Nutzung zu vertretbaren Kosten“ beispielsweise durch Verlegung der noch in Bonn ansässigen Teile des Verteidigungsministeriums anzustreben. Die Realisierungschancen sieht Dirk Kühnau wegen der damit verbundenen Kosten aber eher skeptisch.

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