Berlin : Tempelhof-Freunde spüren Aufwind durch Expertise

Neues Gutachten soll Betrieb nicht ausschließen. Bund will Ergebnis Mitte April offiziell vorstellen

Lars von Törne

Noch hat kaum jemand das Geheimdokument gesehen. Nach Auskunft des Auftraggebers, des Bundesfinanzministeriums, ist es noch gar nicht fertig. Aber manch ein Landespolitiker mit Sympathie für den Flughafen Tempelhof will bereits von einer „Tendenz“ gehört haben. „Die Weiternutzung Tempelhofs soll möglich sein“, sagt einer, der seit langem dafür kämpft, dass der Flughafen Tempelhof offen bleibt. Und auch Friedbert Pflüger, bundespolitisch gut vernetzter CDU-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus und Tempelhof-Fan, frohlockt: Es sei „grotesk, dass sich die rot-rote Koalition weiter verweigert, wenn das Bundesfinanzministerium Chancen sieht und der Gutachter den Geschäftsflugverkehr für möglich hält“.

Im Umfeld von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) gibt man sich reserviert. „Es gibt definitiv noch kein Gutachten“, sagt sein Sprecher Torsten Albig. Erst am 16. April sollen die Juristen, die im Auftrag des Ministeriums die Tempelhof-Schließung prüfen, ihr Ergebnis vorlegen. Ihre Aufgabe: Sie sollten klären, ob ein Flugbetrieb „in geringem Umfang“ möglich sei, ohne den Großflughafen in Schönefeld (BBI) zu gefährden. Sobald das Gutachten vorliege, werde man die Öffentlichkeit informieren.

Berichte, denen zufolge die unabhängigen Rechtsexperten zu dem Ergebnis gekommen seien, dass es „gute juristische Ansätze“ gebe, die ein Offenhalten von Tempelhof für Geschäftsflieger möglich machten und dass deswegen das Land Berlin solche Möglichkeiten gerichtlich prüfen lassen soll, dementiert der Ministeriumssprecher. „Diese Informationen können nicht auf dem Gutachten basieren.“ Zwar würde sich der Bund freuen, wenn diese Tendenz das Ergebnis wäre. „Aber wir wollen hier nicht subjektive Möglichkeiten, sondern objektive Chancen bewerten.“ Für ein Urteil, ob diese vorhanden seien, sei es jetzt noch zu früh – „auch wenn uns das freuen würde“.

Die offizielle Position von Senat, Brandenburg und auch dem Bund war bisher, Tempelhof am 31. Oktober 2008 komplett zu schließen. Der Ausbau in Schönefeld ist im Planfeststellungsbeschluss mit der Schließung von Tempelhof – und Tegel – verbunden. Ein Weiterbetrieb würde ihrer Ansicht nach die Ausbaugenehmigung für den Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld gefährden. Und dieses Risiko könne man nicht eingehen, hatte auch Klaus Wowereit immer wieder gesagt.

Um doch weiter einen Verkehr mit Geschäftsflugzeugen zu ermöglichen, müsste der Schließungsbeschluss für 2008 ausgesetzt werden. Nach Darstellung von Insidern, die mehr über das Gutachten erfahren haben wollen, sei diese Option in der Expertise enthalten. „Wenn Tempelhof als Sonderflughafen genutzt und die Landesentwicklungsplanung von Berlin und Brandenburg angepasst wird, besteht keine Gefahr für BBI“, sagt ein nach eigenem Bekunden gut informierter Tempelhof-Anhänger. Und auch Friedbert Pflüger, derzeit in China unterwegs, lässt verkünden: „Herr Wowereit muss seine starrköpfige Haltung aufgeben und seinen Kurs korrigieren.“ Der Regierende Bürgermeister müsse „alle Beteiligten an einen Tisch holen“ mit dem Ziel: „BBI vorantreiben und Tempelhof für Geschäftsflieger weiterbetreiben.“

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