Tempelhof-Öffnung : Protestler wollen Flugfeld besetzen

Bis zu 1000 Menschen wollen am Sonnabend zur Eröffnung des Flugfeldes Tempelhof gegen Mieterhöhung und für die vollständige Öffnung des Geländes demonstrieren.

Von Johannes Radke

„Durch den Park und die Umstrukturierung rund um das Flughafengelände werden die Mieten erheblich steigen und einkommensschwache Menschen verdrängt werden“, sagte Helene Gerber vom Bündnis „Steigende Mieten stoppen“, das die Demonstration organisiert. Ab 14 Uhr wollen die Protestler mit einer bunten Parade unter dem Motto „Recht auf Stadt“ vom Hermannplatz in Neukölln zum ehemaligen Flughafengelände ziehen. „Statt die bestehenden sozialen Probleme anzugehen, will der Senat die Gebiete in Kreuzberg und Neukölln für reichere Menschen attraktiv machen“, heißt es in dem Aufruf. Nach dem Ende des Aufzugs an der Allerstraße Ecke Oderstraße wollen sich die Teilnehmer auf das Flugfeld begeben.

Die Gruppe „Reclaim Tempelhof“ ruft dazu auf, auf dem Parkgelände zu übernachten. Um 21 Uhr sollen die Tore des Geländes allerdings geschlossen werden und die letzten Besucher nach Hause gehen. Ein halbe Stunde vorher endet das Musikprogramm und der Getränkeausschank. Wie viele Sicherheitsleute an dem Tag im Einsatz sein werden, wollte die Grün Berlin GmbH, die den Park betreibt, am Donnerstag nicht sagen. Aber allein im Catering- und Informationsbereich seien mehrere hundert Mitarbeiter eingeplant, sagte ein Sprecher.

Am Dienstag war bei zahlreichen Anwohnern ein gefälschtes Schreiben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in die Briefkästen geworfen worden. Darin wird behauptet, dass der Tempelhofer Park auch nachts geöffnet bliebe und der Zaun demnächst abgebaut werden solle. Der Senat kündigte an, rechtliche Schritte gegen die Urheber zu prüfen.

Die Sicherheitsbehörden befürchten, dass es bei einer möglichen Räumung des Felds zu Auseinandersetzungen und Beschädigungen des Zauns kommen könnte. Die Senatsverwaltung sieht den Protesten hingegen gelassen entgegen. „Selbstverständlich werden wir jeden auf das Feld lassen“, sagte der Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Mathias Gille. Er rechnet mit bis zu 200 000 Besuchern. Eingangskontrollen, bei denen potenzielle Störer aussortiert werden, seien nicht geplant. „Wir gehen davon aus, dass es friedlich bleibt.“ Auch Taschenkontrollen werde es nur in Einzelfällen geben. Sollten sich am Ende des Tages tatsächlich Demonstranten weigern, das Feld zu verlassen, wolle es das Sicherheitspersonal erst mit freundlichen Bitten versuchen und später. Bleibe das ohne Erfolg, werde man die Polizei holen.

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