Berlin : Tempelhof-Schöneberg: "Freundschaft" mit neuem Quartier

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"Hier ist es schön ruhig", sagt Nikos Poulous von der griechisch-deutschen Jugend- und Begegnungsstätte "Filia" (die Freundschaft) regelrecht erleichtert. Das meint er nicht nur in Bezug auf die Umgebung in der Eisenacher Straße 72 in Schöneberg, wo der Verein neuerdings seinen Sitz hat. Er hatte entnervt mit den anderen Mitgliedern des Vereins im wahrsten Sinne des Wortes die Sachen gepackt. Nach mehr als zehn Jahren Vereinsarbeit kehrten sie Neukölln den Rücken zu. Aus Überforderung.

Im Rollbergviertel haben die Filia-Mitglieder bis vor kurzem Jugendliche beraten, ein Café unterhalten, Kurse in Zusammenarbeit der Volkshochschule angeboten und Jugendaustausch-Programme organisiert. Bekannt ist der Verein vor allem für seine "Griechischen Kinotage", die alljährlich stattfinden. "Wir haben eine Selbsthilfegruppe im kulturellen Bereich gegründet - und sind zu einer Anlaufstelle für Menschen in einem sozialen Brennpunkt geworden", sagt Nikos Poulous. Durch die Kürzungen in den Senatszuwendungen sei der Bezirk nach 1998 zu einem der wichtigsten Zuwendungsgeber geworden, so dass neue Aufgaben auf den Verein hinzugekommen seien.

"Das war zwar im Interesse des Bezirks, wich jedoch völlig von unseren ursprünglichen Zielen ab", sagt er. Weder habe der Verein genug Kapazitäten für die Sozialarbeit in einem Problemgebiet, noch seien die Mitarbeiter für diese Aufgabe ausgebildet.

Der Jugendstadtrat von Neukölln, Lutz Reichert, bedauert den Beschluss des Vereinsvorstandes. "Zu ihrem Klientel gehörten in der Tat auch schwierige Jugendliche", bestätigt er. Er respektiere deshalb den Entschluss. "Für den Bezirk Schöneberg wird der Verein eine große Bereicherung sein", sagt er. Die Räume in der Eisenacher Straße sind bereits eingerichtet. Allerdings hat der Verein vieles zurücklassen müssen, wie beispielsweise die einzige feste Personalstelle und das Mobiliar, das der Bezirk finanziert hatte. "Wir sind völlig nackt hierher gekommen", beschreibt Nikos Poulous die Situation. Zurzeit übernimmt die Ausländerbeauftragte des Senats, Barbara John, die Betriebskosten von 34 000 Mark des einst mit 90 000 DM geförderten Vereins. "Wir können uns im Moment nicht einmal Papier leisten", sagt er. Trotzdem habe der Verein nichts zu beklagen. "Es ist ein Neuanfang, um wieder zu unseren ursprünglichen Zielen zurückzufinden", sagt er. Diesen Anfang will Filia am 29. Juni mit "Traditioneller Kunstmusik aus dem Mittelmeerraum" machen.

Mehr zu diesem Thema unter: www.filia-ev.de

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