Tempelhof : Wachsendes Unbehagen über Abschiedsgala

Tausende Gäste werden erwartet, wenn Tempelhof in 11 Tagen schließt. In der SPD wundert man sich über die Größe der Feierlichkeiten, und die Opposition ärgert sich, dass es keine öffentliche Veranstaltung geben wird. Erst im kommenden Jahr soll es ein Fest für alle Berliner geben.

Werner van Bebber
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Richtung Abschiedsfeier?Foto: Mike Wolff

BerlinEine geschlossene Gesellschaft wird am letzten Betriebstag den Abschied vom Flughafen Tempelhof feiern. So hat es die Berliner Flughafengesellschaft beschlossen. Doch deren Aufsichtsrat Klaus Wowereit hat über die geplante Feier und deren Dimension offenbar nicht mal mit seinem Vertrauten, dem SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller gesprochen. Tausend Einladungen hat die Flughafengesellschaft für den 30. Oktober verschickt, auch an Vertreter der Berliner Politik - und Müller ist von der Größe der Veranstaltung überrascht. "Ich bin davon ausgegangen, dass es eine kleine, würdige Abschiedsveranstaltung wird", so Müller einem SPD- Fraktionssprecher zufolge. "Nun bin ich erstaunt, dass die Flughafengesellschaft eine Feier mit bis zu tausend Gästen plant." Im Senat sei diese Feier kein Thema gewesen, sagt Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer ihrer Sprecherin Manuela Damianakis zufolge.

Man wolle eine Dankeschönparty für Kunden, Mieter und Geschäftspartner, sagt Eberhard Elie, Sprecher der Flughafengesellschaft. Dazu würden Vertreter der Berliner Politik und der Wirtschaft geladen, "das gehört sich einfach so." Ein Abend der offenen Tür für alle sei schon deshalb nicht möglich, weil der Flughafen bis zum Abend in Betrieb sei. Bis zum letzten Start der beiden historischen Maschinen am Abend würden die Sicherheitsbestimmungen gelten. Tempelhof sei bis zur letzten Stunde ein voll betriebsfähiger Flughafen", so Elie.

Opposition will "ehrenvollen" Abschied

Die Berliner, die sich dem Flughafen verbunden fühlen, müssen also in den Tagen vorher kommen, um noch mal einen Blick in die Haupthalle tun zu können - oder später eine Führung buchen. "Erbärmlich" findet das FDP-Fraktionschef Martin Lindner, der sich für die Offenhaltung des Flughafens eingesetzt hat. Die Politiker, die Tempelhof unbedingt schließen wollten, bekämen nicht mal einen ehrenvollen Abschied in einer öffentlichen Veranstaltung hin, so der FDP-Politiker. "Lächerlich" sei die Ausrede mit dem laufenden Flugbetrieb. Die beiden letzten Starts hätten, so Lindner, sogar Teil einer öffentlichen Abschiedsveranstaltung sein können.

Auch der CDU-Abgeordnete Rainer Ueckert hält nicht viel von der Art, wie der Senat den Flughafenbetrieb zu Ende gehen lässt. Ueckert kommt aus dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg und hat im Frühjahr mit für die Fortdauer des Flugbetriebs und das Volksbegehren für den Airport gekämpft. Wenn die Flughafengesellschaft am letzten Flugtag feiern wolle, hätte der Senat am Tag danach zu einer Abschiedsfeier laden können, sagt er. Tempelhof sei ein geschichtsträchtiger Ort. Da wären ein paar Worte wohl angebracht, sagt Ueckert.

Womöglich sieht das auch die Stadtentwicklungssenatorin so. Ein Fest für die Berliner werde es geben, sagt Manuela Damianakis, und zwar im kommenden Jahr, wenn das Wetter wieder schön und das Flugfeld frei begehbar ist.

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