Berlin : Tempelhof wieder am Start

Weiterbetrieb für Geschäftsflieger wird untersucht. Verwirrung um den Kaufinteressenten

Klaus Kurpjuweit

Die Zukunft des Flughafens Tempelhof bleibt ungewiss. Der Bund und Berlin prüfen jetzt nach Angaben des Finanzministeriums, ob es möglich ist, einen Flugverkehr für die Geschäftsfliegerei aufrechtzuerhalten. Gestern verdichteten sich Hinweise, ein potenter Investor aus den USA wolle das verlustbringende Flughafengebäude übernehmen und dort eine Luxus-Klinik einrichten. Um dessen Identität gab es allerdings Verwirrung. In politischen Kreisen wurde versichert, es handele sich um den US-Kosmetik-Konzern Estée Lauder und dessen Top-Mann Ronald S. Lauder. Eine New Yorker Konzernsprecherin sagte dem Tagesspiegel am späten Abend, nicht die Firma Estée Lauder sei an Tempelhof interessiert, sondern deren früherer Konzernchef Fred Langhammer. Er trat 2004 von seinem Posten bei Lauder zurück.

Gegenüber deutschen Verhandlungspartnern hatte der Interessent erklärt, als Voraussetzung für sein Projekt müsse der Flugbetrieb für die sogenannte General Aviation weitergehen. Allerdings gibt es inzwischen nach Tagesspiegel-Informationen auch Konzepte, nach denen es möglich ist, das Gebäude ohne Flugbetrieb wirtschaftlich zu betreiben.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Friedbert Pflüger forderte gestern, das vorliegende Angebot „ernsthaft und zügig“ zu prüfen und den Antrag auf Schließung des Flughafens noch vor der Klageverhandlung am 19. Dezember zurückzuziehen. Davon will der Senat jedoch nichts wissen. Nach wie vor gelte der „Konsensbeschluss“ von 1996, der vorsehe, den Flugbetrieb nach der Ausbaugenehmigung für Schönefeld einzustellen. Ein Weiterbetrieb nur für die kleinen Maschinen der Geschäftsfliegerei war danach zwar erwogen, aber nicht umgesetzt worden. Auch jetzt hat eine Modellrechnung ergeben, dass es bei einem Defizit in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro pro Jahr bleiben würde. Ob der Interessent, der angeblich ein Krankenhaus, ein Hotel, ein Kongresszentrum und ein Forschungsinstitut schaffen will, diese Kosten übernehmen würde, ist bisher nicht bekannt.

Ob eine solche „reduzierte fliegerische Weiternutzung“ rechtlich möglich wäre, soll jetzt geprüft werden. Das Bundesverwaltungsgericht hatte in seinem Beschluss zum Ausbau Schönefelds unter anderem erklärt, dieser sei „unter Beibehaltung der beiden innerstädtischen Flughäfen fachplanerisch nicht gerechtfertigt“. Würde der Flugverkehr in Tempelhof fortgesetzt, könnten Ausbaugegner in Schönefeld erneut klagen. Ob dies aber auch für einen reduzierten Verkehr ohne Linienflüge gelte, sei schwer zu beurteilen.

Nach Angaben von Fachleuten ist es nicht zwingend erforderlich, in Tempelhof weiter zu fliegen, um das riesige Gebäudeensemble wirtschaftlich betreiben zu können. Sie berufen sich auf eine vom Bund in Auftrag gegebene Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, die unter Verschluss gehalten wird. Demnach sollen viele Nutzungen in dem größten Gebäudekomplex Europas zusammengeführt werden. Ein Flugbetrieb sei bei solchem Konzept nur noch das „Sahnehäubchen“, wirtschaftlich aber nicht zwingend erforderlich.

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