Berlin : Tempelhof wird teuer für Berlin Hohe Folgekosten nach Schließung des Airports

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der Flughafen Tempelhof könnte Berlin in den nächsten Jahren teuer zu stehen kommen. Wenn der Flugbetrieb, wie geplant, am 31. Oktober 2008 endet, müssen die Eigentümer der Immobilie für Unterhalts-, Sanierungs- und andere Folgekosten aufkommen – und nicht mehr die Flughafengesellschaft. Zurzeit sind das der Bund und Berlin gemeinsam. Die Bundesregierung will ihren Anteil loswerden – aber nicht zum Nulltarif.

Die Verhandlungen über die Hauptstadtfinanzierung sind deshalb in eine schwierige Phase geraten. Es wird hoch gepokert, und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist dem Vernehmen nach verärgert über die Forderungen zu Tempelhof aus dem Kanzleramt, an denen sein Parteifreund Peer Steinbrück wohl kräftig mitgebastelt hat. Nach anfänglichem Zögern ist der Senat jedoch grundsätzlich bereit, das Gelände komplett zu übernehmen. Um es nach der geplanten Entwidmung „aus einer Hand“ entwickeln zu können.

Allerdings sieht der Senat keinen Grund, warum der Bund auf unbestimmte Zeit an künftigen Wertsteigerungen der Grundstücke beteiligt werden soll. Die Weigerung des Bundesfinanzministeriums, sich an der Beseitigung von Bodenverunreinigungen zu beteiligen, die Millionenrisiken in zweistelliger Millionenhöhe in sich birgt, lässt im Roten Rathaus ebenfalls die Alarmglocken klingeln. Zudem drohen nach der Schließung jährliche Unterhaltskosten von 6 bis 13 Millionen Euro, und das Gebäude hat jetzt schon einen Leerstand von über 40 Prozent.

Im Doppelhaushalt 2008/09 sieht es noch nicht so schlimm aus. 2008 sind 250 000 Euro vorgesehen, hauptsächlich für vorbereitende Konzepte und Planungen. 2009 steigen die Ausgaben auf knapp 3 Millionen Euro; davon 150 000 Euro für die Öffentlichkeitsarbeit, weitere 2,4 Millionen Euro für bislang unbekannte Zwischennutzungen, neue Zäune und Wege und für die Wiesenpflege. Und 300 000 Euro für Betriebs- und Nebenkosten von Gebäudeteilen, die von der Landesverwaltung genutzt werden. Was noch fehlt im Etat, sind jene Betriebsausgaben, die derzeit die Flughafengesellschaft trägt. Nach Informationen des Tagesspiegels sind das im laufenden Jahr 25,5 Millionen Euro für das Gebäude, 10,8 Millionen Euro Personal- und 8,2 Millionen Euro Sachkosten. Ohne Flugbetrieb werden sich diese Posten deutlich verringern, aber nicht gegen null streben. Ulrich Zawatka-Gerlach

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