Berlin : Tempelhof wird VIP-Flughafen der WM

Sponsoren und ihre Gäste sollen am City-Airport landen. Charterflüge für Fans gehen nach Schönefeld

André Görke

Eines muss man den Holländern lassen: Sie sind ziemlich selbstbewusst, was die Fußball-Weltmeisterschaft angeht. Exakt 100 Tage vor der WM-Eröffnungsfeier wurden bereits neun Sonderflüge für den 9. Juli von Holland nach Berlin angemeldet. „So optimistisch sind nicht einmal die Brasilianer“, sagt Eberhard Elie, Sprecher der Berliner Flughäfen. Am 9. Juli findet im Olympiastadion das WM-Finale statt.

Eine hohe Belastung während der Fußball-WM kommt auf den Flughafen Tempelhof zu, der in Senatskreisen „VIP-Airport“ genannt wird. Auf dem innerstädtischen Flughafen sollen die Learjets und Firmenflugzeuge der Sponsoren landen. Über die Stadtautobahn werden die Chefs der Konzerne zum Olympiastadion gefahren. Den Shuttle-Service übernimmt der Fußball-Weltverband Fifa, der zu den Spielen auf die Fahrzeugflotte seines WM-Sponsors Hyundai zurückgreifen wird. „Rund 400 Fahrzeuge“ werde Hyundai an Spieltagen nach Berlin bringen, wie eine Sprecherin des Konzerns sagte.

Die Vorteile eines innerstädtischen Flughafens werden zur WM somit erneut deutlich. Dennoch bleiben die Berliner Flughäfen bei ihrem Bestreben, Tempelhof im Jahr 2007 zu schließen. Daran werde auch die Fußball-WM nichts ändern, sagte der Flughafensprecher.

Das WM-Konzept sieht eine Aufgabenverteilung auf die drei Flughäfen vor. So sollen in Schönefeld die Chartermaschinen mit den Fans an Bord landen. Da beispielsweise das Finale erst am Abend stattfindet, könnten sie nur von dort in der Nacht auch wieder heimfliegen, weil in Tegel und Tempelhof erst am frühen Morgen wieder Flugzeuge starten dürfen – von Ausnahmeregelungen für Staatsgäste abgesehen. In Schönefeld landen auch viele der so genannten Billigflieger, mit denen Fans erwartet werden.

In Tegel dagegen werden Staatsgäste, die Mannschaften und Funktionäre der Fifa erwartet. Die Berliner Flughäfen rechnen insgesamt mit einem „höheren Verkehrsaufkommen“, vor allem am Tag des Endspiels. Bislang sind insgesamt rund 40 zusätzliche Flüge nach Berlin gemeldet. Für Teile des Bodenpersonals auf den Flughäfen in Schönefeld und Tempelhof wurde eine Urlaubssperre verhängt.

Um die Staatsgäste und die Konzernchefs gebührend zu empfangen, sollen in Tegel und Tempelhof so genannte „Welcome Desks“ errichtet werden. Dort erhalten die betuchten Fans die nötigen Informationen zur Stadt. In Schönefeld – dem Fanflughafen – ist dies nicht geplant.

Wie berichtet, hat der Berliner Senat die Straßen von den Flughäfen in die Innenstadt zu „Premiumstrecken“ erklärt; dazu zählt auch die Stadtautobahn. Dort soll während des Turniers nicht gebaut werden. Die ausgewählten Premiumstrecken sollen während der WM ein einheitliches Bild abgeben. Deshalb werden bald die ersten der insgesamt 2500 WM-Fahnen an Straßenlaternen aufgehängt.

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