Tempelhofer Feld : Heiße Quelle unterm Flughafen vermutet

Die Gasag sucht mit tonnenschweren Spezialfahrzeugen nach Erdwärme auf dem Tempelhofer Feld. Diese könnte einmal die Wärmeversorgung von Tausenden Berliner Haushalten sichern.

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Mit Druck. Die Spezialwagen auf dem Feld erzeugen Schallwellen.
Mit Druck. Die Spezialwagen auf dem Feld erzeugen Schallwellen.Foto: Stickforth/Promo

Sie sehen monströs aus, und mancher Jogger auf dem Tempelhofer Feld wird sich gewundert haben. Seit Donnerstag fahren zwei tonnenschwere Spezialfahrzeuge im Auftrag der Gasag die Landebahnen des ehemaligen Flughafens ab. Durch stundenlange Messungen wollen Wissenschaftler des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam herausfinden, ob sich die Erdwärme in vier Kilometern Tiefe zur umweltschonenden Energiegewinnung nutzen lässt. Die Idee steht seit Jahren im Raum, die geologischen Voraussetzungen scheinen günstig: Direkt unter Berlin wird ein rund 80 Quadratkilometer großer Heißwasserspeicher – ein sogenannter Aquifer – vermutet. Die Messungen sollen jetzt Informationen über die Beschaffenheit der Gesteinsschichten liefern. Man könne sich das grob wie beim Ultraschall in der Arztpraxis vorstellen, heißt es bei der Gasag: An die Unterseite der beiden Spezialfahrzeuge wurden gewaltige Metallplatten montiert. Diese werden jeweils für kurze Zeit hydraulisch gegen die Erdoberfläche gepresst, dabei entstehen Vibrationen, die als Schallwellen in den Untergrund wandern und dort reflektiert werden. Wenn sie wieder oben ankommen, werden sie von weitläufig auf dem Feld verteilten Messgeräten aufgezeichnet. In den kommenden Monaten sind weitere Tests geplant. Sollten sich die Erwartungen bestätigen, könnte es schon in zwei Jahren erste Bohrungen geben. Dann aber nicht auf dem Tempelhofer Feld, sondern auf dem Gelände des Schöneberger Gasometers. Das 100 Grad heiße Wasser, das dann nach oben gepumpt wird, soll einmal die Wärmeversorgung von 2000 Berliner Haushalten sichern.

Die Tests auf dem Tempelhofer Feld werden auch noch am heutigen Freitag fortgeführt. Wer sich über das Projekt informieren will: Nahe dem Parkeingang am U-Bahnhof Tempelhof haben die Wissenschaftler ein Infozelt aufgebaut, um Fragen zu beantworten. sel

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