Tempelhofer Feld : Tausende vergnügten sich im Jubiläumspark

08.05.2011 22:28 UhrVon Christoph Stollowsky
  • Viel Beton, und trotzdem schön: Auf dem Tempelhofer Feld finden alle Freizeitsportler, Spaziergänger und Griller ihren Frieden. - Foto: Kai-Uwe Heinrich
  • 8.5.2011: Seit einem Jahr ist das Tempelhofer Feld eröffnet. Zum Jubiläum wurde über die zukünftige Gestaltung diskutiert, gefeiert - und gegärtnert und gesägt. - Foto: Paul Zinken
  • Lieb gewonnen. Viele Berliner möchten, dass das Feld bleibt, wie es ist. - Foto: Kai-Uwe Heinrich

Das Tempelhofer Feld ist seit einem Jahr geöffnet. Beim Fest wurde über die künftige Gestaltung debattiert.

Kristin Hensel hämmert an Tempelhofs grüner Zukunft. Mit kräftigen Schlägen nagelt die 32-jährige Designerin im Sommerkleid auf dem Tempelhofer Feld eine Bretterkiste zusammen: Die Umfassung für eines der vielen Hochbeete, die seit etwa drei Wochen auf der Neuköllner Seite des früheren Flughafengeländes angelegt werden. So viele Zuschauer wie am Sonntag hatten Kristin und die anderen Beetebauer bisher selten. Denn genau vor einem Jahr wurde das Tempelhofer Feld für die Bürger geöffnet. Zum Jubiläum veranstaltete die Grün Berlin GmbH dort am Sonntag ein Fest – und die Initiativen für gemeinschaftliches Gärtnern nutzten die Chance, ihr „Pionierprojekt“ vorzustellen.

Am Eingang Oderstraße erschaffen sie einen Garten aus Hochbeeten. Alle zusammen wollen ihn aufbauen, pflegen – und sich später die Ernte teilen.

Schon in den Waggons der U-Bahnlinie 6 sah es am Sonntag aus, als würden die Züge einen See irgendwo draußen in Brandenburg ansteuern. Menschen mit Rucksäcken und Picknickkörben, Decken und Sonnenschirme unterm Arm, Kinder an der Hand, drängelten sich in den Wagen bis zum Ausstieg am Tempelhofer Damm. Auch von Kreuzberg her zogen Ausflügler in Scharen über den Columbiadamm zum Jubiläumsvergnügen auf der „Tempelhofer Freiheit“, wie Berlins neue Parklandschaft offiziell heißt. Eine Zeltstadt war zur Feier des Tages aufgebaut mit Hüpfburgen, Imbissbuden und einem Pavillon. Dort stellten Senat und Grün Berlin GmbH den umstrittenen Siegerentwurf des Internationalen Wettbewerbs vor, bei dem es wie berichtet um die künftige Gestaltung des Tempelhofer Feldes ging.

Ein kundiges Team von „Grün Berlin“ erläuterte Interessenten die Pläne und Simulationen an den Wänden: Das Birkenwäldchen, die ausgedehnten Wasserflächen, den Aussichtsfelsen mit integrierter Kletterhalle, im Volksmund schon „Tempelhof Rock“ genannt. Und die Erklärer hatten keinen Moment Pause – zeitweise standen Neugierige Schlange. „Das brauchen wir alles nicht, lasst das Feld wie es ist, bewahrt uns die Weite“, poltert Jörg Steinle aus Lichtenberg. Der 18-Jährige „Kiter“ rast nach Feierabend von Drachen gezogen über die Rollbahn. Doch er bekam Widerspruch. „Das Tempelhofer Feld ist bislang vor allem für Leute mittleren Alters gut, die sich hier sportlich austoben“, kontert Jurist Birger Claasen aus Friedrichshain. Für ältere Menschen gebe es dagegen kaum Schatten. „Die freuen sich über neu gepflanzte Birken.“ Und auch Eltern mit Kleinkindern kämen viel zu wenig, weil es kaum Spielplätze gebe. Aus Claasens Sicht schafft der Siegerentwurf Abhilfe, „ohne den weiten Raum merklich einzuschränken.“

Der Herr dieser Weite, Parkchef Michael Krebs, sieht die Dinge ähnlich. „Wir versuchen, verschiedenste Interessen übereinzubringen“, sagt er. Viele würden den Siegerentwurf mit Ängsten betrachten. „Wenn man das Projekt aber detailliert erläutert, schwinden die Bedenken.“ Ähnlich sei es vor einem Jahr gewesen. Zur Eröffnung schimpften die einen auf den Zaun rings ums Gelände, der ihnen den freien Zugang versperre; die anderen warnten, der Park werde verlottern. Michael Krebs: „Inzwischen hat sich der Zaun bewährt, er hält eine schwierige Szene fern. Unsere Besucher aber fühlen sich dennoch frei.“

So steht es den Gemeinschaftsgärtnern frei, wie sie auf den 6600 Quadratmetern, die ihnen „Grün Berlin“ überlässt, ihre Hochbeete gestalten und was sie aussäen. Bohnen- und Salattriebe schieben erste Blättchen aus dem Boden, es wird gepicknickt und Erde geschleppt, Kinder sägen beim Kistenbau mit. Eine Frau mit roter Kanne gießt gerade Pflänzchen. Das ist jetzt ihr Job, ihr Name steht um diese Zeit im ausgehängten Gießplan. Im Alltag arbeitet Dunja Miller für Architekturbüros, sie hat zu Hause einen üppig bepflanzten Balkon – doch in Tempelhof genießt sie es, mal Pionierin zu sein. „Ist doch toll, dass wir ein solches urbanes Experiment starten können.“ Christoph Stollowsky

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