Berlin : Temperatur hoch, Preise im Keller

CHRISTOPH STOLLOWSKY

BERLIN .Frühlingsgefühle im Tiergarten - gute Einkaufsstimmung in der City: Am heutigen Montag beginnt der Winterschlußverkauf (WSV) und wird all jenen, die sich ins Getümmel stürzen, besonders günstige Preise bescheren.Sie purzeln so tief wie selten, denn im Gegensatz zu früheren Jahren, als es Ende Januar noch bitterkalt war, gehen die Händler eher ein wenig bange in die kommenden zwei WSV-Wochen.Wegen des ungewöhnlich warmen Winters sind ihre Lager mit Skiern, Schlittschuhen oder dicken Anoracks noch recht voll und müssen nun mit allen Verkaufstricks geleert werden.



Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt allerdings den Geschäftsleuten: Nach Auskunft des Wetterdienstes "Meteofax" fließt zur Wochenmitte wieder ein ein wenig Polarluft nach Berlin, die Temperaturen sollen auf etwa null Grad rutschen, sogar ein paar Schneeflocken sind in Aussicht und lassen etwas verkaufsfördernde Winterstimmung aufkommen.

Die fehlte bisher.Und das hat nahezu allen, die an Eis und Schnee verdienen, gründlich das Geschäft vermasselt.Auch den Veranstaltern von Ski- und Snowboard-Reisen, die zwar am vergangenen Wochenende noch optimistisch im Tagesspiegel für ihre Pistenvergnügen warben ("Schnee-Juchhe!" im Allgäu), aber tatsächlich auf etlichen Hotelplätzen sitzen blieben.Ingar Kellner von "Ski- und- Surf-Sportreisen: "So kurz vor den Winterferien waren wir sonst ausgebucht.Jetzt ist noch einiges frei."

Ähnlich erging es auch der "Ungewöhnlichen Eislaufschule" von Dirk Beyer."Rund 15 Prozent" weniger Interesse verzeichnete er bei seinen Anfänger- und Fortgeschrittenen-Kursen in den Eisstadien Wedding und Neukölln.Anders sieht die Statistik hingegen bei den Stadien selbst aus: Ihr Stammpublikum läßt sich offenbar durch frühlingshafte Temperaturen nicht abschrecken.Im Gegenteil.Ähnlich wie Skifahrer auf dem Gletscher strömen sie bei Sonne und Wärme bevorzugt aufs Eis.So auch am vergangenen Wochenende auf dem Wilmersdorfer Schlittschuhring, wo 5000 Menschen durch die Kasse drängelten.

Wer jetzt Schuhe auf Kufen, Skier, Schlitten oder Mützen, Handschuhe und andere Textilien aller Art erwerben will, hat beste Chancen.So kündigte der Einzelhandelsverband gestern Preisnachlässe von mehr als 50 Prozent selbst bei "hochwertigen Produkten" an.Die Verbraucherzentrale warnte allerdings vor "begeisterten Spontankäufen".Es lohne sich, in jedem Falle Preise zu vergleichen und auf Qualität zu achten.

Behalten die Meteorologen Recht, dürfte das kurzfristige Einkaufshoch angesichts purzelnder Preise und Temperaturen jedoch bald zu Ende sein.Denn zum Wochenende hin soll es schon wieder wärmer werden.Und das kurbelt nur die Konjunktur der Last-Minute-Veranstalter an."So viele Sonnenreisen wie in den vergangenen Wochen haben wir selten um diese Zeit verkauft", hieß es gestern im Büro von LMTT-Reisen.

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