Berlin : Tempo 30 genügt nicht

ADAC: Einbahnstraßen könnten Lärm und Abgase mindern

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„In der Stadt macht man sich zu wenig Gedanken, um pfiffige und effektive Lösungen, um Verkehrslärm und Abgase zu reduzieren“, sagt ADACAbteilungsleiter Jörg Becker zur Absicht des Senats, ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern für viele Hauptstraßen zu prüfen. Er hält Geschwindigkeitsbegrenzungen nur für eine der „einfachen und schnellen Lösungen“. Nicht aber für eine optimale. Generell sei der ADAC nicht gegen Tempo 30, aber es gebe eine Reihe anderer Möglichkeiten, um Lärm und Schadstoffausstoß zu mindern: Einbahnstraßenregelungen in den Innenstädten nach Prager oder Budapester Vorbild zum Beispiel. Dann könnte der Verkehr flüssiger fließen, es gebe weniger Behinderungen.

Doch die Stadtentwicklungsverwaltung sieht sich in Zugzwang. Die EU arbeite an einer Verschärfung der Grenzwerte: „Wir müssen ernsthaft daran denken, etwas zu tun“, sagt Friedemann Kurt von der Strieder-Verwaltung. Kurt setzt auf Tempo 30, denn „mit einer Temporeduzierung erhalten wir eine erhebliche Minderung des Lärms“.

Mit Tempo 30 allein ist es nicht getan – das weiß auch Kurt. Die Erfahrungen beim Modellversuch Beusselstraße in Tiergarten haben gezeigt, dass Autofahrer erst dann den Fuß vom Gaspedal nehmen, wenn auch die Polizei die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung permanent kontrolliert. Ähnliche Erkenntnisse zog man vor zwei Jahren aus auch dem Versuch an der Stromstraße. Tempo 30 auf einem 300 Meter langen Teilstück wurde es erst eingehalten, als die Polizei dort immer wieder blitzte. Nach der Testphase wurde die Geschwindigkeitsbegrenzung auf die Nachtstunden begrenzt.

Auf rund 75 Prozent der Berliner Straßen gilt schon jetzt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern – darunter auch Hauptstraßen wie die schwer belastete Brückenstraße in Mitte. Rund 20000 Fahrzeuge rollen Tag für Tag darüber. Für den ADAC ist die Brückenstraße ein Beispiel für einen sinnvollen Einsatz der Tempo-30-Regelung. In der Stromstraße dagegen seien die Ampelphasen nicht der Geschwindigkeitsbegrenzung angepasst. Das führe dazu, dass die Autos immer wieder bei Rot halten müssten und ihre Abgase in den Moabiter Nachthimmel pusteten, sagt Becker.weso

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