Berlin : Tempo 30 und Lkw-Verbot für Beusselstraße

NAME

Die Beusselstraße in Tiergarten wird zur Experimentierstrecke für die ganze Stadt. Zunächst wird dort vorübergehend Tempo 30 eingeführt, dann ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen über 3,5 Tonnen erlassen, dem anschließend ein Test mit variablen Ampelschaltungen folgt, die auf Schadstoffwerte reagieren. So will die Stadtentwicklungsverwaltung feststellen, mit welchen Schritten an Straßen Schadstoffe und Lärmwerte reduziert werden können. Bis 2005/2010 müssen strenge Grenzwerte eingehalten werden, sonst drohen von der EU verordnete Beschränkungen im Straßenverkehr.

Die Beusselstraße gehöre zu den zahlreichen besonders stark durch Dreck und Lärm belasteten Straßen, sagte gestern Staatssekretärin Maria Krautzberger (SPD) zur Auswahl für den Test. Dort gebe es zudem einen starken Durchgangsverkehr, den man nun versuche umzuleiten. Die dort gewonnenen Erkenntnisse ließen sich dann auf Straßen mit ähnlichen Problemen übertragen.

Von Mitte Juni bis Ende August wird die zulässige Geschwindigkeit auf 30 reduziert. Verkehrsplaner Rainer Voigt ist überzeugt, dass dadurch die Lärm- und Schadstoffbelastung verringert werden kann. Von Ende August bis Mitte September folgt dann das Lastwagen-Verbot. In beiden Fällen erwarten die Forscher, dass die Entlastung für die Anwohner an der Beusselstraße höher sein wird als die zusätzliche Belastung auf den Ausweichstrecken. Von Mitte September bis Mitte Oktober folgt der Test mit der Ampelschaltung. Dabei soll der Verkehr so gesteuert werden, dass der Schadstoffausstoß und der Lärm möglichst gering werden. Um die Auswirkungen aller drei Versuchsphasen zu überprüfen, werden an der Beusselstraße und an den Ausweichrouten Messstationen installiert.

Während die Industrie- und Handelskammer (IHK), die ein kürzeres Lastwagen-Durchfahrverbot durchgesetzt hat, den Test unterstützt, kommt vom Verband Spedition und Logistik Kritik. Dadurch werde der Ver- und Entsorgungsverkehr erschwert, erklärte Geschäftsführer Gerhard Ostwald. Fahrverbote lösten die Probleme nicht. Dauerhafte Beschränkungen seien in Berlin auch nicht erforderlich, sagte Krautzberger. Der Versuch solle aber zeigen, wie man in Zukunft durch geeignete Maßnahmen flexibel auf erhöhte Werte reagieren könne, sagte Verkehrsplaner Friedemann Kunst aus der Stadtentwicklungsverwaltung. Wichtig ist es nach Ansicht von Christian Wiesenhütter von der IHK, auch die Fahrzeugtechnik weiterzuentwickeln.

Lärm wird aber auch durch schlechten Fahrbahnbelag verursacht. Und hier ist keine Besserung in Sicht. Für Reparaturen fehle das Geld, so Krautzberger. Der Versuch, „Heaven“ genannt, kostet 700 000 Euro und wird zur Hälfte von der EU finanziert. Weitere Tests finden in anderen europäischen Städten statt.Klaus Kurpjuweit

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben