Berlin : Tempodrom: Die Insolvenz löst längst nicht alle Probleme

Ob der Kulturbetrieb im Betonzelt weitergeht, ist mehr als fraglich

M. Oloew[D. Rosenfeld]

Die bevorstehende Insolvenz des Tempodroms wird problematischer als erwartet. Der Zwangsverwalter wird nämlich auf gravierende Probleme treffen. Zwei der Pächter im Haus haben sich nämlich an den Baukosten für das Kulturzelt am Anhalter Bahnhof beteiligt und sind deshalb gegen die Folgen einer Insolvenz immun. Sie können in jedem Fall bleiben und somit einen Hemmschuh für jeden neuen Kaufinteressenten darstellen. Konkret geht es um die Firmen Toskana-Therme (die das Schwimmbad Liquidrom betreibt) und Einhorn (die das Restaurant Möckernstübel betreibt und das Catering im Haus macht). Beide Firmen haben Geld in das Haus gesteckt, damit es fertiggestellt werden konnte. Diese Investition schützt sie vor einer möglichen Kündigung durch einen neuen Eigentümer oder den Zwangsverwalter. Festgelegt ist das im Paragraphen 57c des Gesetzes über Zwangsverwaltung und Zwangsversteigerung. Bleiben die beiden aber in jedem Fall Mieter des Hauses, sinken voraussichtlich die zu erwartenden Erlöse bei einem Verkauf oder einer Zwangsversteigerung.

Bitter sind die Aussichten für die Tempodrom GmbH und ihre beiden Geschäftsführer Irene Moessinger und Norbert Waehl (die das Veranstaltungsprogramm organisieren). Bei einer Insolvenz des Hauses und der das Haus tragenden Stiftung wären sie aus dem Spiel, da die Tempodrom GmbH gesamtschuldnerisch haftet, die aufgelaufenen Schulden des Hauses aber nicht tragen können. Das verlautet aus Kreisen, die der Stiftung nahe stehen. Diese Lage wiederum wirft Fragen für den Veranstaltungsbetrieb auf: Ist die Tempodrom GmbH pleite, sind auch keine Veranstaltungen in der Arena mehr möglich, da die GmbH die Logistik für Konzerte zur Verfügung stellt. Und zum Beispiel die Brandmeldezentrale des Hauses besetzt. Sitzt dort niemand (weil ihn niemand bezahlt), dürfen keine Veranstaltungen mehr stattfinden. Das Tempodrom wäre mit einem Schlag leer.

So schwarz will der Senat die Situation nicht sehen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärte nach der Senatsentscheidung für die Insolvenz, er gehe davon aus, dass der Veranstaltungsbetrieb weiter gehe. Das wäre auch im Bereich des Möglichen, wenn sich die Landesbank entscheiden sollte, die Stiftung nicht insolvent gehen zu lassen. Die Bank gab auf Nachfrage dazu keine Stellungnahme ab. Die Insolvenz müsste vom Vorstand der Stiftung beantragt werden. Dieser Vorsitzende ist Günter Lux. Torsten Griess-Nega, Sanierer der Stiftung ist Vorsitzender des Stiftungsrates. Er rechnet auf Nachfrage nicht mit einer Insolvenz in dieser Woche.

Wann das Tempodrom insolvent gehen muss, ist noch nicht abzusehen. Der Vermögensausschuss des Abgeordnetenhauses beriet am Mittwochvormittag über die Situation. In vertraulicher Sitzung nahmen Finanzsenator Thilo Sarrazin wie auch der Sanierer Torsten Griess-Nega von der Steinbacher Treuhand Stellung. Den Ausschuss interessierte vor allem, wie Griess-Nega ins Spiel kam. Und es interessierte ihn, ob die ausstehenden Rechnungen von Handwerkern und einer Architektin bezahlt werden können. Es sollten auf jeden Fall weitere Insolvenzen bei kleinen Unternehmen vermieden werden. Dass das gelingt, ist aber eher unwahrscheinlich.

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